{"id":4565,"date":"2023-04-06T12:05:06","date_gmt":"2023-04-06T10:05:06","guid":{"rendered":"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/?p=4565"},"modified":"2023-04-06T12:05:07","modified_gmt":"2023-04-06T10:05:07","slug":"guetekriterien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/archive\/4565","title":{"rendered":"G\u00fctekriterien"},"content":{"rendered":"\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-av_one_full-7acc1372e522d1472d3487e02738ae1c\">\n.flex_column.av-av_one_full-7acc1372e522d1472d3487e02738ae1c{\nbackground-color:#22689e;\n}\n<\/style>\n<div  class='flex_column av-av_one_full-7acc1372e522d1472d3487e02738ae1c av_one_full  avia-builder-el-0  el_before_av_hr  avia-builder-el-first  first flex_column_div  '     ><style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-lg4y5thn-ee11522efb947ecb84b53e8b59d72efb\">\n#top .av-special-heading.av-lg4y5thn-ee11522efb947ecb84b53e8b59d72efb{\nmargin:20px 20px 20px 20px;\npadding-bottom:0;\ncolor:#ffffff;\n}\nbody .av-special-heading.av-lg4y5thn-ee11522efb947ecb84b53e8b59d72efb .av-special-heading-tag .heading-char{\nfont-size:25px;\n}\n#top #wrap_all .av-special-heading.av-lg4y5thn-ee11522efb947ecb84b53e8b59d72efb .av-special-heading-tag{\npadding:5px 5px 5px 5px;\n}\n.av-special-heading.av-lg4y5thn-ee11522efb947ecb84b53e8b59d72efb .special-heading-inner-border{\nborder-color:#ffffff;\n}\n.av-special-heading.av-lg4y5thn-ee11522efb947ecb84b53e8b59d72efb .av-subheading{\nfont-size:15px;\n}\n<\/style>\n<div  class='av-special-heading av-lg4y5thn-ee11522efb947ecb84b53e8b59d72efb av-special-heading-h3 custom-color-heading blockquote classic-quote  avia-builder-el-1  avia-builder-el-no-sibling '><h3 class='av-special-heading-tag '  itemprop=\"headline\"  >Diagnostische G\u00fctekriterien<\/h3><div class=\"special-heading-border\"><div class=\"special-heading-inner-border\"><\/div><\/div><\/div><\/div><div  class='hr av-av_hr-91d7ccd583a503147498e120fee2ff9b hr-default  avia-builder-el-2  el_after_av_one_full  el_before_av_textblock '><span class='hr-inner '><span class=\"hr-inner-style\"><\/span><\/span><\/div><\/p>\n<section  class='av_textblock_section av-lg4ybsiy-0daf67a8d285fd1e8e9af49b8893423d '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/BlogPosting\" itemprop=\"blogPost\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><p>Da die Entwicklung auch in der Diagnostik fortschreitet, werden wir immer wieder mit neuen Untersuchungsverfahren konfrontiert, die besser oder verl\u00e4sslicher zu sein vorgeben als die herk\u00f6mmlichen Verfahren. Die neuen Verfahren m\u00fcssen deshalb auf ihre Leistungsf\u00e4higkeit und G\u00fcte \u00fcberpr\u00fcft werden, denn neue und h\u00e4ufig auch teurere Verfahren sind nicht zwangsl\u00e4ufig besser. Wir wollen uns in diesem Abschnitt mit den wichtigsten Begriffen vertraut machen, um verl\u00e4sslich absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, ob ein Untersuchungsverfahren f\u00fcr uns bedeutsam sein kann oder ob es sogar besser als ein anderes Verfahren ist. Dabei unterstellen wir, dass wir uns bei jeder angeordneten Untersuchung fragen, welchen Zugewinn an Informationen wir durch die Untersuchung erhalten und ob der Zugewinn unsere Therapieentscheidung beeinflusst. Sollten wir zum Beispiel schon definitiv festgelegt haben, dass wir einen Patienten wegen einer Blinddarmentz\u00fcndung operieren, dann sind weitere Untersuchungen nicht sinnvoll. Wenn wir dagegen nicht ganz sicher sind, ob wir einen Patienten mit rechtsseitigen Unterbauchschmerzen tats\u00e4chlich operieren sollten, ob unsere Vermutungsdiagnose \u00fcberhaupt zutrifft oder ob wir nicht einen Fehler begehen, dann sind selbstverst\u00e4ndlich weitere zielgerichtete Untersuchungen erforderlich. Welche das im Detail sind, wird in den Lehrb\u00fcchern thematisiert. Hier geht es um die generelle Absch\u00e4tzung, ob eine Untersuchung \u00fcberhaupt geeignet sein kann, uns in einer bestimmten Fragestellung zu helfen.<\/p>\n<p>Um verl\u00e4sslich absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, wie hilfreich ein Untersuchungsverfahren in einer bestimmten Situation f\u00fcr uns sein kann, ben\u00f6tigen wir G\u00fctekriterien f\u00fcr Untersuchungen und Tests. Zu ihnen geh\u00f6ren Begriffe wie Sensitivit\u00e4t, Spezifit\u00e4t, positiver und negativer Vorhersagewert, Vortest- und Nachtestwahrscheinlichkeit und Likelihood-Ratio, von denen wir wahrscheinlich noch nie etwas geh\u00f6rt haben oder dessen Sinn wir nicht genau kennen. Wir sollten uns auch hier nicht von den Begriffen einsch\u00fcchtern lassen. Wenn wir weiterlesen, dann werden wir die Begriffe nicht nur verstehen, sondern auch ihre gesamte Bedeutung begreifen und sie kritisch anwenden lernen. Wahrscheinlich werden einige von uns am Ende dieser Abschnitte sogar einige ihrer liebgewonnenen Untersuchungsgewohnheiten hinterfragen und wom\u00f6glich \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Beginnen wir zur Einf\u00fchrung mit einem kleinen R\u00e4tsel. Stellen wir uns vor, es w\u00e4re ein einfacher Bluttest verf\u00fcgbar, der Lungenkrebs sicher diagnostizieren kann \u2013, selbst im fr\u00fchen Stadium. Lungenkrebs ist relativ h\u00e4ufig. Er wird \u00fcberwiegend durch Rauchen verursacht, meistens sehr sp\u00e4t festgestellt und f\u00fchrt deshalb meistens zum Tod. Es w\u00e4re w\u00fcnschenswert, wenn wir einen verl\u00e4sslichen Test h\u00e4tten, um Lungenkrebs zweifelsfrei festzustellen. Nehmen wir an, wir h\u00e4tten solch einen tollen Test, der auch bereits an 10.000 Patienten auf seine Tauglichkeit erfolgreich \u00fcberpr\u00fcft wurde. Bei den Kranken wurden 99 von 100 richtig erkannt. Von den Gesunden wurden 98 von 100 als gesund diagnostiziert. Jetzt wenden wir den Test bei unseren fiktiven Verwandten an: unserer Tochter und unserem Neffen. Die Tochter ist negativ, w\u00e4hrend der Neffe \u00fcberraschenderweise positiv getestet ist. Daraufhin wird der Neffe sehr nerv\u00f6s und fragt uns, ob er tats\u00e4chlich an Lungenkrebs erkrankt ist. Was sch\u00e4tzen wir, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Neffe tats\u00e4chlich an Lungenkrebs leidet? Ist sie eher ein, f\u00fcnf, 50, 95 oder 99 Prozent? Wir schreiben jetzt unsere Antwort nieder, damit wir sp\u00e4ter unsere Ansichten ehrlich \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen. Wie sieht es mit unserer Tochter aus? Kann sie sich sicher sein, kein Lungenkrebs zu haben?<\/p>\n<p>Alle \u00c4rzte, die diese Abschnitte lesen, sollten die richtigen Antworten eigentlich kennen, denn vergleichbare Situationen treten t\u00e4glich auf. \u00c4rzte ordnen Untersuchungen schlie\u00dflich an, um Krankheiten zu erkennen. Als Patient k\u00f6nnten wir erwarten, dass \u00c4rzte uns verl\u00e4sslich mitteilen, welche Bedeutung ein positives oder negatives Testergebnis f\u00fcr uns hat. \u201e<i>Wie wahrscheinlich bin ich tats\u00e4chlich erkrankt, wenn der Test positiv oder negativ ist<\/i>?\u201c ist eine berechtigte Frage, die ein Arzt beantworten k\u00f6nnen muss, wenn er die Untersuchung anordnet. \u00dcberraschenderweise haben sehr viele \u00c4rzte Schwierigkeiten, die richtige Antwort zu finden. Der Psychologe Gerd Gigerenzer hat \u00fcber Jahrzehnte hinweg in vielen Studien und Publikationen auf diese Schw\u00e4che der \u00c4rzte hingewiesen. Offensichtlich k\u00f6nnen wir uns hierbei nicht auf die \u00c4rzte verlassen, so dass wir uns selbst ein Verst\u00e4ndnis \u00fcber die Bewertung von Untersuchungsverfahren aneignen sollten.<\/p>\n<p>Kenner der Materie \u00fcber diagnostische Verfahren werden die richtige Antwort rasch gefunden haben. Als Anf\u00e4nger zucken wir wahrscheinlich die Achseln und fragen uns, was wohl mit diesen Begriffen \u00fcberhaupt gemeint war. Zun\u00e4chst zur guten Nachricht: Die Begriffe \u201e<i>Sensitivit\u00e4t<\/i>\u201c und \u201e<i>Spezifit\u00e4t<\/i>\u201c sind hinsichtlich diagnostischer Verfahren genau definiert und wir werden bald wissen, was sie bedeuten. Jetzt zur schlechten Nachricht: Die Begriffe werden von den \u00c4rzten h\u00e4ufig falsch verwendet. Wenn wir zum Beispiel jemand h\u00f6ren, der sagt, dass man die Gesunden sehr sensitiv vorhersagen kann oder dass man die Krankheit sehr spezifisch nachweisen kann, dann verwendet der Sprecher seine private Terminologie. Warum? Weil die Sensitivit\u00e4t nur etwas mit Kranken und die Spezifit\u00e4t nur etwas mit Gesunden zu tun hat.<\/p>\n<h2 id=\"sigil_toc_id_35\">19.1 Sensitivit\u00e4t und Spezifit\u00e4t<\/h2>\n<p>Was verstehen wir nun unter der Sensitivit\u00e4t? Um sich die nachfolgenden Definitionen besser einzupr\u00e4gen, stellen wir uns einen Korridor vor, den wir aus didaktischen Gr\u00fcnden \u201e<i>Diagnostik<\/i>\u201c nennen. Von diesem Korridor gehen rechts und links T\u00fcren ab. Auf der rechten T\u00fcr steht in Buchstaben: \u201e<i>Sensitivit\u00e4t<\/i>\u201c. Auf der gegen\u00fcberliegenden linken T\u00fcr steht dagegen: \u201e<i>Spezifit\u00e4t<\/i>\u201c. Was finden wir hinter der T\u00fcr mit der Aufschrift \u201e<i>Sensitivit\u00e4t<\/i>\u201c? Dahinter ist ein Raum, der ausschlie\u00dflich mit kranken Menschen gef\u00fcllt ist. Und was finden wir hinter der T\u00fcr mit der Aufschrift \u201e<i>Spezifit\u00e4t<\/i>\u201c? In diesem Raum befinden sich nur gesunde Menschen. Wollen wir \u00fcber Kranke reden, dann sprechen wir \u00fcber die Sensitivit\u00e4t und m\u00fcssen uns rechts halten. Wollen wir dagegen \u00fcber die Gesunden reden, dann sprechen wir \u00fcber die Spezifit\u00e4t und m\u00fcssen in den linken Raum. Ein spezifischer Test kann also nicht einer sein, der eine Erkrankung anzeigt, sondern es ist einer, der Erkrankungen ausschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Was meinen wir, wenn wir \u00fcber die Sensitivit\u00e4t reden und sie 70 Prozent, 90 Prozent oder 99 Prozent betragen soll. Dazu begeben wir uns in den Raum \u201e<i>Sensitivit\u00e4t<\/i>\u201c, indem sich zum Beispiel 1000 Kranke befinden. Wie gesagt, in diesem Raum befinden sich definitionsgem\u00e4\u00df keine Gesunden. Wir stehen also in dem Raum und wollen neugierig wissen, wie hoch die Sensitivit\u00e4t f\u00fcr unseren Test ist. Wir bitten zun\u00e4chst, dass sich alle Kranken hinsetzen. Dann bitten wir alle Kranken aufzustehen, wenn sie einen positiven Befund in unserem Test aufweisen. Stehen 700 Kranke auf, dann sind es 700\/1000=70 Prozent. Stehen 900 Kranke auf, dann sind es 900\/1000=90 Prozent. Stehen sogar 990 Kranke auf, dann sind es 990\/1000=99 Prozent. Wenn die Sensitivit\u00e4t 99 Prozent betragen w\u00fcrde, dann w\u00e4re das ein Superergebnis. Es sind rein theoretisch auch Untersuchungsverfahren denkbar, die zu 100 Prozent alle Kranken erkennen. In diesem Fall w\u00fcrden sich alle Kranken erheben.<\/p>\n<p>Die meisten Tests, die wir im medizinischen Alltag einsetzen, haben aber eher eine Sensitivit\u00e4t von 70 bis 90 Prozent, so dass es einen relativ hohen Anteil der Kranken von zehn bis 30 Prozent gibt, die f\u00e4lschlicherweise von dem Test nicht erkannt werden. Wenn wir einen Test mit einer Sensitivit\u00e4t von 70 Prozent durchf\u00fchren und dann bitten, dass sich die Test-positiven erheben, dann bleiben 30 Prozent sitzen, weil ihre Krankheit durch das Untersuchungsverfahren noch nicht erkannt wurde. Diese Kranken halten sich als Test-Negative weiterhin f\u00fcr gesund und damit irren sie sich. Ihr negatives Testergebnis ist falsch, es ist falsch negativ. Den richtig-erkannten, positiv-getesteten Erkrankten (70 Prozent) stehen die nicht-erkannten, negativ-getesteten Erkrankten (30 Prozent) gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Wenn ein schlechter Test nur eine geringe Sensitivit\u00e4t von 20 Prozent bes\u00e4\u00dfe, dann w\u00fcrden sich in dem Raum sogar nur 200 Kranke von 1000 Kranken erheben. Es ist offensichtlich, dass solch ein Test wenig brauchbar ist, um die Erkrankten zu finden, denn die restlichen 800 Kranken w\u00fcrden nicht erkannt. Das Untersuchungsergebnis w\u00e4re bei ihnen negativ, obwohl sie alle krank sind. Die gro\u00dfe Mehrheit der Erkrankten w\u00fcrde sich weiterhin f\u00fcr gesund halten.<\/p>\n<p>Fassen wir das Bisherige zusammen: Bei der Sensitivit\u00e4t handelt sich um einen Anteil, der in Prozent ausgedr\u00fcckt wird. Es ist der Anteil der richtig erkannten Kranken von allen Erkrankten. Je h\u00f6her die Sensitivit\u00e4t ist, desto mehr Kranke werden tats\u00e4chlich als krank erkannt. Wenn wir die Kranken sicher erkennen wollen, dann ben\u00f6tigen wir einen sensitiven Test. Von den Gesunden ist hier nicht die Rede, denn in unserem Raum befinden sich ausschlie\u00dflich Kranke.<\/p>\n<div class=\"ir\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4446 alignleft\" src=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_1-300x135.png\" alt=\"\" width=\"364\" height=\"164\" srcset=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_1-300x135.png 300w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_1.png 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 364px) 100vw, 364px\" \/><\/p>\n<p class=\"caption\">Tab. 19-1 \u00a0\u00a0Begriffliche Zusammenh\u00e4nge<\/p>\n<\/div>\n<p>Nachdem wir den Raum \u201e<i>Sensitivit\u00e4t<\/i>\u201c verlassen haben, befinden wir uns wieder im Korridor der Diagnostik. Wir betreten nun den Raum \u201e<i>Spezifit\u00e4t<\/i>\u201c auf der anderen Seite des Korridors, in dem sich 100 Gesunde aufhalten. Auch hier bitten wir alle, sich zu setzen und sich nur dann zu erheben, wenn das Untersuchungsverfahren tats\u00e4chlich negativ war. Betr\u00e4gt die Spezifit\u00e4t des Testes 95 Prozent, dann wurden 95\/100 der Gesunden als richtig-negativ eingestuft und 95 Gesunde stehen auf. Wenn die Spezifit\u00e4t des Testes dagegen nur 30 Prozent betragen w\u00fcrde, dann w\u00e4ren von den 100 Gesunden in dem Zimmer nur 30 tats\u00e4chlich negativ getestet. Die anderen 70 Gesunden w\u00e4ren f\u00e4lschlicherweise positiv getestet worden. Sie wurden als krank angesehen, obgleich sie gesund sind. 70 Prozent wurden mithin also als falsch-positiv angesehen und zu Kranken erkl\u00e4rt. Je h\u00f6her die Spezifit\u00e4t ist, umso mehr Gesunde werden durch ein negatives Testergebnis auch als gesund erkannt. Wenn wir die Gesunden sicher erkennen wollen, dann ben\u00f6tigen wir einen spezifischen Test. Die Spezifit\u00e4t sagt nichts \u00fcber die Kranken aus, denn die hatten wir ja bereits in einem anderen Zimmer besucht.<\/p>\n<p>Auch wenn wir Wiederholungen langweilig finden, sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Tabelle 19-1 richten, in der drei Begriffspaare zusammengestellt sind.<\/p>\n<h2 id=\"sigil_toc_id_36\">19.2 Vierfelder-Tabelle<\/h2>\n<p>Wir wissen jetzt, was die Sensitivit\u00e4t und die Spezifit\u00e4t eines Testes bedeuten und wir haben die Begriffe \u201e<i>falsch-positiv<\/i>\u201c und \u201e<i>falsch-negativ<\/i>\u201c kennengelernt. Wir werden uns nun im n\u00e4chsten Schritt mit einer so genannten Vier-Felder-Tabelle vertraut machen, um weitere Begriffe und Abh\u00e4ngigkeiten zu verdeutlichen. Diese Tabelle wird immer so geschrieben, dass in der Spalten\u00fcberschrift steht, ob der Patient krank ist oder nicht (Tabelle 19-2). Als Zeilen\u00fcberschrift wird auf der linken Seite untereinander geschrieben, ob der Untersuchungsbefund positiv oder negativ ist. Wenn wir die Tabelle betrachten, dann k\u00f6nnen wir die beiden Merkmale \u201e<i>krank<\/i>\u201c und \u201e<i>gesund<\/i>\u201c mit den beiden Merkmalen des Testes \u201e<i>positiv<\/i>\u201c und \u201e<i>negativ<\/i>\u201c kombinieren. Alle vier Kombinationen werden in der Vier-Felder-Tabelle dargestellt. Unproblematisch und w\u00fcnschenswert sind nat\u00fcrlich die richtig-positiven und richtig-negativen Befunde. Unerw\u00fcnscht sind falsch-positive und falsch-negative Befunde. Ein klares Verst\u00e4ndnis diese Vier-Felder-Tabelle ist im Weiteren unerl\u00e4sslich, weil wir alle Erkl\u00e4rungen in solchen Tabellen darstellen.<\/p>\n<div class=\"ir\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4447 alignleft\" src=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_2-300x139.png\" alt=\"\" width=\"382\" height=\"177\" srcset=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_2-300x139.png 300w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_2.png 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 382px) 100vw, 382px\" \/><\/p>\n<p class=\"caption\">Tab. 19-2 \u00a0 M\u00f6gliche Testergebnisse\u00a0bei Kranken und Gesunden<\/p>\n<\/div>\n<p>Die Sensitivit\u00e4t bildet sich jetzt in der linken Spalte ab, denn hier sind die Kranken zusammengefasst (Tabelle 19-3). In der rechten Spalte sind die Gesunden, so dass sich hier die Spezifit\u00e4t abbildet. Rechnerisch gesehen ist die Sensitivit\u00e4t der Anteil der Test-positiven Patienten (n=99) an allen Kranken (n=100). Sie betr\u00e4gt deshalb in der Tabelle 99 Prozent. Die Spezifit\u00e4t l\u00e4sst sich berechnen als der Anteil der Test-negativen Patienten (n=98) an den Gesunden (n=100). Sie betr\u00e4gt demnach 98 Prozent. Die Tabellen wurden bewusst so gew\u00e4hlt, dass in beiden Spalten 100 Patienten ber\u00fccksichtigt wurden.<\/p>\n<div class=\"ir\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4448 alignleft\" src=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_3-300x87.png\" alt=\"\" width=\"410\" height=\"119\" srcset=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_3-300x87.png 300w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_3-768x223.png 768w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_3-705x205.png 705w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_3.png 840w\" sizes=\"auto, (max-width: 410px) 100vw, 410px\" \/><\/p>\n<p class=\"caption\">Tab. 19-3 \u00a0 Sensitivit\u00e4t von 99 Prozent\u00a0und Spezifit\u00e4t von 98 Prozent<\/p>\n<\/div>\n<p>Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen dort deutlich mehr oder weniger Patienten erscheinen. So wurde in einer kleinen Studie \u00fcberpr\u00fcft [Asimaki A et al. N Engl J Med 2009;360:1075], ob man durch immunhistochemischen Nachweis von Ver\u00e4nderungen der Desmosomen am Myokard eine arrhythmogene rechtsventrikul\u00e4re Kardiomyopathie diagnostizieren kann. Der beschriebene Sachverhalt klingt sicher sehr kompliziert und wir m\u00fcssen ihn hier \u00fcberhaupt nicht verstehen, sondern nur auf die relativ niedrigen Zahlen in der Tabelle 19-4 achten. In dieser kleinen Studie betrug die Sensitivit\u00e4t 91 Prozent und die Spezifit\u00e4t 83 Prozent.<\/p>\n<div class=\"ir\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4449 alignleft\" src=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_4-300x95.png\" alt=\"\" width=\"379\" height=\"120\" srcset=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_4-300x95.png 300w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_4-768x244.png 768w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_4-705x224.png 705w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_4.png 820w\" sizes=\"auto, (max-width: 379px) 100vw, 379px\" \/><\/p>\n<p class=\"caption\">Tab. 19-4 \u00a0 Herzver\u00e4nderungen<\/p>\n<\/div>\n<p>Wenn wir einen absolut perfekten Test h\u00e4tten, dann betr\u00fcge die Sensitivit\u00e4t und Spezifit\u00e4t 100 Prozent (Tabelle 19-5). Nur bei solch einem unrealistischen Test gibt es keine falschen Ergebnisse. Hier sind alle positiv getesteten Personen krank und alle negativ getesteten gesund. Solche Tests werden als unrealistisch gekennzeichnet, weil die gegenw\u00e4rtigen Test immer zu falschen Ergebnissen f\u00fchren k\u00f6nnen \u2013 im Guten wie im Schlechten. Es besteht immer eine bestimmte Wahrscheinlichkeit, dass der Test zu einem falsch-positiven oder falsch-negativen Ergebnis f\u00fchrt.<\/p>\n<div class=\"ir\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4451 alignleft\" src=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_6-300x89.png\" alt=\"\" width=\"367\" height=\"109\" srcset=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_6-300x89.png 300w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_6-768x229.png 768w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_6-705x210.png 705w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_6.png 860w\" sizes=\"auto, (max-width: 367px) 100vw, 367px\" \/><\/p>\n<p class=\"caption\">Tab. 19-5 \u00a0 Sensitivit\u00e4t von 100 Prozent\u00a0und einer Spezifit\u00e4t von 100 Prozent<\/p>\n<\/div>\n<p>Es gibt einen wichtigen Zusammenhang zwischen beiden Kenngr\u00f6\u00dfen. Sie sind quasi miteinander verkn\u00fcpft, so dass sich die eine zwangsl\u00e4ufig \u00e4ndert, wenn wir die andere manipulieren. Wir wollen jetzt begreifen, warum wir immer beide Kenngr\u00f6\u00dfen betrachten m\u00fcssen und nicht nur eine von beiden. Wir beginnen unser Beispiel damit, dass wir das Untersuchungsverfahren derartig manipulieren, dass wir die Sensitivit\u00e4t auf 100 Prozent heraufsetzen. Wie k\u00f6nnten wir das erreichen? Ganz einfach, indem wir nur positive Testergebnisse zulassen (Tabelle 19-6). Die Sensitivit\u00e4t w\u00e4re in diesem manipulierten Fall immer bei 100 Prozent, aber leider w\u00e4re die Spezifit\u00e4t bei null Prozent, denn wir h\u00e4tten keinen Gesunden richtig erkannt. Schlie\u00dflich haben wir kein negatives Testergebnis. Dasselbe ist nat\u00fcrlich auch umgekehrt m\u00f6glich. Wenn wir nur noch negative Untersuchungsergebnisse zulassen (Tabelle 19-7), dann h\u00e4tten wir zwar alle Gesunden richtig erkannt, aber keinen einzigen Kranken. Was uns diese extremen Beispiel vor Augen f\u00fchren sollten, ist die Tatsache, dass wir eine der beiden Kenngr\u00f6\u00dfen auf Kosten der anderen beliebig ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Wenn wir die Sensitivit\u00e4t erh\u00f6hen, dann sinkt die Spezifit\u00e4t, und umgekehrt.<\/p>\n<div class=\"ir\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4451 alignleft\" src=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_6-300x89.png\" alt=\"\" width=\"364\" height=\"108\" srcset=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_6-300x89.png 300w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_6-768x229.png 768w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_6-705x210.png 705w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_6.png 860w\" sizes=\"auto, (max-width: 364px) 100vw, 364px\" \/><\/p>\n<p class=\"caption\">Tab. 19-6 \u00a0 Sensitivit\u00e4t von 100 Prozent\u00a0und einer Spezifit\u00e4t von 0 Prozent<\/p>\n<\/div>\n<p>Die wirkliche Herausforderung besteht darin, sowohl die Sensitivit\u00e4t als auch die Spezifit\u00e4t so hoch wie m\u00f6glich zu halten. Es ist deshalb nicht ausreichend, nur eine der beiden Kenngr\u00f6\u00dfen anzugeben, um die G\u00fcte eines Untersuchungsverfahrens zu beschreiben. In solchen F\u00e4llen sollten wir argw\u00f6hnen, dass jemand etwas zu verbergen hat. Nur mit beiden Kenngr\u00f6\u00dfen zugleich k\u00f6nnen wir die tats\u00e4chliche Wertigkeit des Verfahrens absch\u00e4tzen.<\/p>\n<div class=\"ir\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4452 alignleft\" src=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_7-300x91.png\" alt=\"\" width=\"369\" height=\"112\" srcset=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_7-300x91.png 300w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_7-768x232.png 768w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_7-705x213.png 705w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_7.png 860w\" sizes=\"auto, (max-width: 369px) 100vw, 369px\" \/><\/p>\n<p class=\"caption\">Tab. 19-7 \u00a0 Sensitivit\u00e4t von 0 Prozent\u00a0und einer Spezifit\u00e4t von 100 Prozent<\/p>\n<\/div>\n<p>Jetzt sollten wir unser Wissen an einem Beispiel anwenden. Wir betrachten einen Test mit einer sehr hohen Sensitivit\u00e4t, um die Kranken mit hoher Wahrscheinlichkeit zu entdecken. In der Tabelle 19-8 wurde eine Sensitivit\u00e4t von 95 Prozent mit einer Spezifit\u00e4t von 60 Prozent gew\u00e4hlt. Wenn wir die Ergebnisse in die Tabelle eintragen, dann wird die Konsequenz rasch offenbar: bei vielen positiven Ergebnissen werden auch viele Gesunde erfasst. Von 135 positiven Personen w\u00e4ren in unserem Beispiel immerhin 40 Personen falsch-positiv, d.h. wir w\u00fcrden sie irrt\u00fcmlich f\u00fcr krank halten.<\/p>\n<div class=\"ir\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4453 alignleft\" src=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_8-300x86.png\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"109\" srcset=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_8-300x86.png 300w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_8-768x221.png 768w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_8-705x202.png 705w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_8.png 860w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/p>\n<p class=\"caption\">Tab. 19-8 \u00a0 Sensitivit\u00e4t von 95 Prozent\u00a0und einer Spezifit\u00e4t von 60 Prozent<\/p>\n<\/div>\n<p>Wir setzen immer dann einen sehr sensitiven Test ein, wenn wir schwerwiegende Krankheiten ausschlie\u00dfen wollen, die wir eigentlich gut behandeln k\u00f6nnten. Wir wollen uns in dieser Situation nicht der Schmach aussetzen, die Krankheit \u00fcbersehen zu haben. Wir nehmen dabei bewusst in Kauf, dass wir dabei auch viele Gesunde als krank bewerten. Die \u00fcblichen Screening-Untersuchungen, die wir sp\u00e4ter noch eingehend besprechen werden, funktionieren nach diesem Prinzip. Die Nachteile dieses Vorgehens sind offensichtlich und sollten uns bewusst sein. Es sind bei einem positiven Testergebnis in der Regel weitere Untersuchungen erforderlich, um die f\u00e4lschlicherweise als krank erkl\u00e4rten Personen als tats\u00e4chlich gesund zu erkennen.<\/p>\n<div class=\"ir\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4454 alignleft\" src=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_9-300x86.png\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"106\" srcset=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_9-300x86.png 300w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_9-768x221.png 768w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_9-845x245.png 845w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_9-705x203.png 705w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_9.png 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 370px) 100vw, 370px\" \/><\/p>\n<p class=\"caption\">Tab. 19-9 \u00a0 Sensitivit\u00e4t von 50 Prozent\u00a0und einer Spezifit\u00e4t von 98 Prozent<\/p>\n<\/div>\n<p>Es gibt aber auch Situationen, bei denen eine niedrige Spezifit\u00e4t \u00e4u\u00dferst unerw\u00fcnscht ist. Wenn zum Beispiel die \u201e<i>falsche<\/i>\u201c Diagnose einer Krankheit sehr schwerwiegend w\u00e4re und dem Patienten physisch, psychisch oder finanziell sch\u00e4digen w\u00fcrde, dann w\u00fcrden wir einen Test mit einer sehr hohen Spezifit\u00e4t suchen, wie in der Tabelle 19-9 abgebildet ist. In diesen Situationen werden zwar nicht alle Kranken sicher erkannt, so dass auch hier weitere Tests erforderlich sind, aber die Gesunden werden sicher ausgeschlossen, wenn der Test positiv ist.<\/p>\n<p>Vielleicht sollten wir an dieser Stelle kurz innehalten und den Abschnitt sogar noch einmal von vorn lesen. Warum? Weil uns bei der Argumentation etwas aufgefallen ist. Wenn wir zum Beispiel die Sensitivit\u00e4t betrachten, dann denken wir \u00fcber Kranke nach, die durch ein positives Testergebnis definiert sind. Aber, &#8211; und jetzt kommt der Trick, den wir verstehen sollten -, so richtig aussagekr\u00e4ftig ist ein sensitiver Test nur, wenn wir uns die negativen Ergebnisse betrachten. Obgleich es um Kranke mit ihren positiven Tests geht, gewinnen wir am meisten Informationen, wenn die Person ein negatives Testergebnis aufweist. In der Tabelle 19-8 sehen wir auf einen Blick, dass wir bei einem negativen Testergebnis ziemlich sicher sein k\u00f6nnen, dass die Person gesund ist. Wie k\u00f6nnen wir uns diesen Zusammenhang erkl\u00e4ren? Weil nur wenige Kranke ein negatives Ergebnis haben. Damit wird ein negatives Resultat kaum von den Kranken beeinflusst und wir k\u00f6nnen uns sicher sein, dass die Person gesund ist.<\/p>\n<div class=\"ir\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4455 alignleft\" src=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_10-300x84.png\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"98\" srcset=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_10-300x84.png 300w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_10-768x216.png 768w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_10-705x198.png 705w, http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Stat_Tab21_10.png 840w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n<p class=\"caption\">Tab. 19-10 \u00a0 Nachweis des Dickdarmkrebses\u00a0durch die Kapselendoskopie<\/p>\n<\/div>\n<p>Jetzt wenden wir denselben Gedankengang auch auf die Spezifit\u00e4t an, die sich per definitionem auf Gesunde bezieht. Bei einer hohen Spezifit\u00e4t wie in Tabelle 19-9 ist ein positives Ergebnis besonders hilfreich. Warum ist das so? Analog zur obigen Erkl\u00e4rung k\u00f6nnen wir hier darauf hinweisen, dass bei einer hohen Spezifit\u00e4t nur ganz wenig Gesunde positiv getestet sind. Damit wird das positive Ergebnis wenig beeinflusst, so dass wir bei einem positiven Resultat sicher sein k\u00f6nnen, dass die Person tats\u00e4chlich krank ist.<\/p>\n<p>Wenden wir unser Wissen \u00fcber G\u00fctekriterien von Untersuchungsverfahren jetzt auf eine Studie an, die \u00fcberpr\u00fcft [Van GA et al. N Engl J Med 2009;361:264], wie gut mit einer geschluckten Kapsel Dickdarmkrebs nachgewiesen werden konnte. Die Sensitivit\u00e4t und Spezifit\u00e4t betrug jeweils 74 Prozent. Aus der Tabelle 19-10 k\u00f6nnen wir direkt ersehen, dass es sehr viele falsche Ergebnisse gibt, die nicht akzeptabel sind. Was denken wir jetzt, wenn wir zum Beispiel in einer systematischen \u00dcbersicht lesen, dass die Sensitivit\u00e4t von f\u00fcnf bis 83 Prozent schwankt bei einer Spezifit\u00e4t von 94 bis 98 Prozent [Burch JA et al. J Med Screen 2007;14:132]. Wir werden jetzt wissen, dass die Gesunden relativ verl\u00e4sslich gefunden werden, aber nicht die Kranken.<\/p>\n<p>Was wir bisher beschrieben haben, sind G\u00fctekriterien einer Untersuchung, die immer ber\u00fccksichtigt werden sollten, um \u00fcberhaupt den Stellenwert einer Untersuchung absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. Wir w\u00fcrden uns nat\u00fcrlich immer Tests w\u00fcnschen mit einer sehr hohen Sensitivit\u00e4t und Spezifit\u00e4t, denn dann ist die Wahrscheinlichkeit falscher Ergebnisse gering. Aber leider sieht die Realit\u00e4t h\u00e4ufig anders aus. Wenn die Sensitivit\u00e4t oder Spezifit\u00e4t zum Beispiel nur 50 Prozent betragen w\u00fcrden, dann entspr\u00e4chen sie der Wahrscheinlichkeit eines einfachen M\u00fcnzwurfes. Statt der teuren Untersuchung k\u00f6nnten die \u00c4rzte dann auch eine M\u00fcnze werfen. Das w\u00e4re nicht nur preiswerter, sondern wir h\u00e4tten auch sofort das Ergebnis \u2013 allerdings w\u00fcrde das manche Patienten verwundern.<\/p>\n<p>Nun zur\u00fcck zu unserem R\u00e4tsel. Die Kenngr\u00f6\u00dfen des Tests ergeben sich aus der Tabelle 19-3. Bl\u00e4ttern wir zur\u00fcck und schauen uns noch einmal ganz in Ruhe die Tabelle an. Die Wahrscheinlichkeit, sich zu irren oder ein falsches Ergebnis zu erhalten, ist offensichtlich sehr gering. H\u00e4tten wir den Test bei uns selbst gemacht und w\u00e4ren wir positiv gewesen, w\u00e4ren wir dann beunruhigt? Wie hoch w\u00fcrden wir bei uns selbst die Wahrscheinlichkeit sch\u00e4tzen, dass wir an einem Lungenkrebs leiden: Eher ein, f\u00fcnf, 50, 95 oder 99 Prozent? F\u00fcr die richtige Antwort m\u00fcssen wir uns noch ein wenig gedulden.<\/p>\n<\/div><\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-4565","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-statistikbuch"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>G\u00fctekriterien - Berliner Gelassenheit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/archive\/4565\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"G\u00fctekriterien - 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