{"id":4554,"date":"2023-04-06T11:44:53","date_gmt":"2023-04-06T09:44:53","guid":{"rendered":"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/?p=4554"},"modified":"2023-04-06T11:44:55","modified_gmt":"2023-04-06T09:44:55","slug":"intuitive-statistik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/archive\/4554","title":{"rendered":"Intuitive Statistik"},"content":{"rendered":"\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-av_one_full-7acc1372e522d1472d3487e02738ae1c\">\n.flex_column.av-av_one_full-7acc1372e522d1472d3487e02738ae1c{\nbackground-color:#22689e;\n}\n<\/style>\n<div  class='flex_column av-av_one_full-7acc1372e522d1472d3487e02738ae1c av_one_full  avia-builder-el-0  el_before_av_hr  avia-builder-el-first  first flex_column_div  '     ><style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-lg4xl522-ce3e1144693358a9b46609bf7c7c76db\">\n#top .av-special-heading.av-lg4xl522-ce3e1144693358a9b46609bf7c7c76db{\nmargin:20px 20px 20px 20px;\npadding-bottom:0;\ncolor:#ffffff;\n}\nbody .av-special-heading.av-lg4xl522-ce3e1144693358a9b46609bf7c7c76db .av-special-heading-tag .heading-char{\nfont-size:25px;\n}\n#top #wrap_all .av-special-heading.av-lg4xl522-ce3e1144693358a9b46609bf7c7c76db .av-special-heading-tag{\npadding:5px 5px 5px 5px;\n}\n.av-special-heading.av-lg4xl522-ce3e1144693358a9b46609bf7c7c76db .special-heading-inner-border{\nborder-color:#ffffff;\n}\n.av-special-heading.av-lg4xl522-ce3e1144693358a9b46609bf7c7c76db .av-subheading{\nfont-size:15px;\n}\n<\/style>\n<div  class='av-special-heading av-lg4xl522-ce3e1144693358a9b46609bf7c7c76db av-special-heading-h3 custom-color-heading blockquote classic-quote  avia-builder-el-1  avia-builder-el-no-sibling '><h3 class='av-special-heading-tag '  itemprop=\"headline\"  >Intuitive Statistik<\/h3><div class=\"special-heading-border\"><div class=\"special-heading-inner-border\"><\/div><\/div><\/div><\/div><div  class='hr av-av_hr-91d7ccd583a503147498e120fee2ff9b hr-default  avia-builder-el-2  el_after_av_one_full  el_before_av_textblock '><span class='hr-inner '><span class=\"hr-inner-style\"><\/span><\/span><\/div><\/p>\n<section  class='av_textblock_section av-lg4xm6ht-d77f56dd48ca968e9de337e1d880f69c '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/BlogPosting\" itemprop=\"blogPost\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><p>Es gibt umfangreiche Forschungsergebnisse dar\u00fcber, in welchen Situationen wir anders denken als es eigentlich statistisch sinnvoll oder \u201e<i>richtig<\/i>\u201c w\u00e4re. Die \u00fcbliche kognitive Verarbeitung von Informationen unterscheidet sich in einigen Situationen deutlich von einer optimalen wahrscheinlichkeitstheoretischen Betrachtung. Manchmal ber\u00fccksichtigen wir \u201e<i>korrekte<\/i>\u201c Sichtweisen nicht und richten uns eher nach gewohnten Denkweisen. Der normale Mensch verl\u00e4sst sich bei seinem Denken h\u00e4ufig auf einfache Strategien oder \u201e<i>Daumenregeln<\/i>\u201c, die er intuitiv anwendet. Er l\u00e4sst sich von diesen effektiven Strategien leiten, die aber mehr auf groben Einsch\u00e4tzungen und Gewohnheiten beruhen als auf mathematisch korrekten Berechnungen. Die Ergebnisse der \u201e<i>Daumenregeln<\/i>\u201c stehen in einigen komplexen Situationen im krassen Gegensatz zu den wahrscheinlichkeitstheoretisch \u201e<i>richtigen<\/i>\u201c Ergebnissen. Intuitives Vorgehen steht hier einem logischen, analytischen Vorgehen gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Warum ist der Mensch nicht auch intuitiv ein Statistiker? Was hat uns derartig gepr\u00e4gt, dass wir eher als \u201e<i>mathematische<\/i>\u201c Steinzeitmenschen agieren? Diese Frage interessierten die Psychologen seit vielen Jahrzehnten, so dass hierzu sehr interessante Forschungsergebnisse vorliegen.<\/p>\n<h2 id=\"sigil_toc_id_23\">14.1 Prototypen<\/h2>\n<p>Eine wichtige \u201e<i>Daumenregel<\/i>\u201c lautet, dass \u201e<i>\u00c4hnliches auch \u00c4hnliches verursacht<\/i>\u201c. Wenn wir also bereits in einer \u00e4hnlichen Situation erfolgreich waren, dann \u00fcbertragen wir unser Urteil auch auf die neue Situation. Wenn wir uns nicht sicher sind, dann suchen wir in unserem Ged\u00e4chtnis nach einer \u00e4hnlichen Situation und leiten daraus unsere Entscheidung ab. Da wir uns im Laufe unseres Lebens und mit zunehmender erfolgreicher Erfahrung prototypische Denkweisen und Reaktionen erarbeitet haben, k\u00f6nnen wir in unsicheren Situationen auf diese zur\u00fcckgreifen. Wenn wir zum Beispiel nicht genau wissen, welche Eigenschaften ein Gegenstand haben k\u00f6nnte oder wie viele Mitglieder einem bestimmten Fu\u00dfballclub angeh\u00f6ren, dann sch\u00e4tzen wir einfach oder vermuten etwas. Dazu beziehen wir uns auf alle Informationen, die irgendwie verf\u00fcgbar sind. Dabei kann es sein, dass wir die verdeckten Hinweise auf konkrete Wahrscheinlichkeiten \u00fcbersehen oder die Pr\u00e4valenz sogar vollst\u00e4ndig ignorieren.<\/p>\n<p>Ein anderes Problem stellen zu kleine Stichproben dar. Sehr gro\u00dfe oder gro\u00dfe Stichproben erlauben uns, durch das \u201e<i>Gesetz der gro\u00dfen Zahl<\/i>\u201c relativ robuste und zuverl\u00e4ssige Urteile zu f\u00e4llen. Wir \u00fcbertragen diese F\u00e4higkeit f\u00e4lschlicherweise auch auf kleine Stichproben und \u00fcbersch\u00e4tzen dann v\u00f6llig den Wert von kleinen oder sogar sehr kleinen Stichproben. Wenn zum Beispiel einige Kinder in der N\u00e4he einer Stromleitung an Leuk\u00e4mie erkranken, dann vermuten wir bereits Arges. Obgleich die Zuverl\u00e4ssigkeit bei kleinen Stichproben sehr gering ist, bewerten wir die Zusammenh\u00e4nge f\u00e4lschlicherweise als regelgeleitet und nicht als zuf\u00e4llig. Wir schreiben diesen zuf\u00e4lligen Ereignissen irrt\u00fcmlicherweise eine gro\u00dfe Bedeutung zu, die ihnen nicht zukommt. Selbst wenn wir eine kleine Serie von sonst seltenen Ereignissen entdecken, ist es meistens nur eine zuf\u00e4llige H\u00e4ufung aus einer zuf\u00e4lligen Reihe.<\/p>\n<p>Relativ einfach d\u00fcrfte ein Missverst\u00e4ndnis auszur\u00e4umen sein, dass mit der Konjunktion, der \u201e<i>und<\/i>\u201c-Verkn\u00fcpfung, zusammenh\u00e4ngt. Unterstellen wir hier, dass Menschen zu 10 Prozent blond und dass sie zu 50 Prozent weiblichen Geschlechtes sind. Wie viele blonde Frauen gibt es dann? Sicherlich nicht mehr als 10 Prozent, denn es m\u00fcsste die Schnittmenge aller Frauen und aller Blonden sein. Wenn sich die Blonden auf alle beiden Geschlechter gleichm\u00e4\u00dfig verteilen, dann sind es eher f\u00fcnf Prozent. Einige Menschen berechnen bei der Frage aber nicht die Schnittmenge, sondern vermuten intuitiv mehr als 10 Prozent. Offensichtlich sind sie von den 50 Prozent Frauen so beeindruckt, dass sie die eigentliche \u201e<i>und<\/i>\u201c-Verkn\u00fcpfung falsch interpretieren.<\/p>\n<h2 id=\"sigil_toc_id_24\">14.2 Subjektiver Eindruck<\/h2>\n<p>Wenn wir \u00fcber keine \u201e<i>objektiven<\/i>\u201c Wahrscheinlichkeiten verf\u00fcgen, dann behelfen wir uns mit unseren pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccken bzw. \u201e<i>subjektiven<\/i>\u201c Wahrscheinlichkeiten. Wir vertrauen darauf, dass uns h\u00e4ufige Ereignisse schneller einfallen als seltene. Und je einfacher wir uns an sie erinnern, umso h\u00e4ufiger vermuten wir sie. Was aber leider nicht immer zutrifft. Wir \u00fcbersehen dabei, dass uns diejenigen Ereignisse leichter im Ged\u00e4chtnis bleiben, die f\u00fcr uns sehr anschaulich, sehr lebendig und sehr beeindruckend waren. Das m\u00fcssen aber nicht die h\u00e4ufigen sein, wie beim Reaktorunfall in Tschernobyl, dem Terroranschlag auf das World Trade Center oder der Katastrophe in Fukoshima. Diese Ereignisse sind und bleiben uns in sehr guter Erinnerung, weil sie sich durch die Bilder und alarmierenden Meldungen sehr eingepr\u00e4gt haben. Dadurch werden sie aber nicht h\u00e4ufiger.<\/p>\n<p>Diese relativ unreflektierten Eindr\u00fccke verschieben unsere Meinungen in eine sehr subjektive Richtung. Wir nehmen objektive Faktoren weniger wahr, wenn sie durch die starken subjektiven \u00fcberlagert oder beeinflusst werden. Wir versp\u00fcren auch das Bed\u00fcrfnis, \u00fcberall Kausalit\u00e4ten zu erkennen, die es h\u00e4ufig gar nicht gibt. Wir erfinden Kausalit\u00e4ten, weil sie uns ein Gef\u00fchl der Kontrolle vermitteln. Um glauben zu k\u00f6nnen, dass wir Situationen auch sicher kontrollieren k\u00f6nnen, bilden wir uns Kausalit\u00e4ten ein, die objektiv nur Zuf\u00e4lligkeiten entsprechen.<\/p>\n<p>Besonders blind in unserem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Wahrscheinlichkeiten sind wir dann, wenn wir sehr von unserem Wissen und unseren F\u00e4higkeiten \u00fcberzeugt sind. Wir bewerten den Effekt von kleinen Stichproben zu gro\u00df, sprechen dem Bekanntem eine h\u00f6here Bedeutung zu als dem Unbekannten und beziehen selten den Zufall in unsere Erw\u00e4gungen ein.<\/p>\n<\/div><\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-4554","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-statistikbuch"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.7 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Intuitive Statistik - Berliner Gelassenheit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/archive\/4554\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Intuitive Statistik - Berliner Gelassenheit\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/archive\/4554\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Berliner Gelassenheit\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2023-04-06T09:44:53+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2023-04-06T09:44:55+00:00\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Bartholom\u00e4us B\u00f6hm\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Verfasst von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Bartholom\u00e4us B\u00f6hm\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"6\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/4554#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/4554\"},\"author\":{\"name\":\"Bartholom\u00e4us B\u00f6hm\",\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/e7bb56a842d02bb40f4663709bf5242d\"},\"headline\":\"Intuitive Statistik\",\"datePublished\":\"2023-04-06T09:44:53+00:00\",\"dateModified\":\"2023-04-06T09:44:55+00:00\",\"mainEntityOfPage\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/4554\"},\"wordCount\":1327,\"publisher\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/e7bb56a842d02bb40f4663709bf5242d\"},\"articleSection\":[\"Statistikbuch\"],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/4554\",\"url\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/4554\",\"name\":\"Intuitive Statistik - Berliner Gelassenheit\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#website\"},\"datePublished\":\"2023-04-06T09:44:53+00:00\",\"dateModified\":\"2023-04-06T09:44:55+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/4554#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/4554\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/4554#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Intuitive Statistik\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#website\",\"url\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/\",\"name\":\"Berliner Gelassenheit\",\"description\":\"Heiterkeit und Widerspr\u00fcche\",\"publisher\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/e7bb56a842d02bb40f4663709bf5242d\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":[\"Person\",\"Organization\"],\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/e7bb56a842d02bb40f4663709bf5242d\",\"name\":\"Bartholom\u00e4us B\u00f6hm\",\"logo\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/image\\\/\"},\"description\":\"Prof. Dr. med. 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