{"id":4150,"date":"2023-04-04T18:01:57","date_gmt":"2023-04-04T16:01:57","guid":{"rendered":"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/?p=4150"},"modified":"2023-04-04T18:01:58","modified_gmt":"2023-04-04T16:01:58","slug":"schilddruesenkarzinom","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/archive\/4150","title":{"rendered":"Schilddr\u00fcsenkarzinom"},"content":{"rendered":"\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-av_one_full-7acc1372e522d1472d3487e02738ae1c\">\n.flex_column.av-av_one_full-7acc1372e522d1472d3487e02738ae1c{\nbackground-color:#22689e;\n}\n<\/style>\n<div  class='flex_column av-av_one_full-7acc1372e522d1472d3487e02738ae1c av_one_full  avia-builder-el-0  el_before_av_hr  avia-builder-el-first  first flex_column_div  '     ><style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-lg2g6o12-42c03cad3d87a3ededc63aa19e1b0e64\">\n#top .av-special-heading.av-lg2g6o12-42c03cad3d87a3ededc63aa19e1b0e64{\nmargin:20px 20px 20px 20px;\npadding-bottom:0;\ncolor:#ffffff;\n}\nbody .av-special-heading.av-lg2g6o12-42c03cad3d87a3ededc63aa19e1b0e64 .av-special-heading-tag .heading-char{\nfont-size:25px;\n}\n#top #wrap_all .av-special-heading.av-lg2g6o12-42c03cad3d87a3ededc63aa19e1b0e64 .av-special-heading-tag{\npadding:5px 5px 5px 5px;\n}\n.av-special-heading.av-lg2g6o12-42c03cad3d87a3ededc63aa19e1b0e64 .special-heading-inner-border{\nborder-color:#ffffff;\n}\n.av-special-heading.av-lg2g6o12-42c03cad3d87a3ededc63aa19e1b0e64 .av-subheading{\nfont-size:15px;\n}\n<\/style>\n<div  class='av-special-heading av-lg2g6o12-42c03cad3d87a3ededc63aa19e1b0e64 av-special-heading-h3 custom-color-heading blockquote classic-quote  avia-builder-el-1  avia-builder-el-no-sibling '><h3 class='av-special-heading-tag '  itemprop=\"headline\"  >Schilddr\u00fcsenkarzinom<\/h3><div class=\"special-heading-border\"><div class=\"special-heading-inner-border\"><\/div><\/div><\/div><\/div><div  class='hr av-av_hr-91d7ccd583a503147498e120fee2ff9b hr-default  avia-builder-el-2  el_after_av_one_full  el_before_av_textblock '><span class='hr-inner '><span class=\"hr-inner-style\"><\/span><\/span><\/div><\/p>\n<section  class='av_textblock_section av-lg2g7cw3-ffd711dc5fc914895f33fe63006edaf3 '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/BlogPosting\" itemprop=\"blogPost\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><p>Jeder Knoten bzw. jede Schwellung ist ein Tumor, der abkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig ist. Schilddr\u00fcsenkarzinome sind mit 1:30000 relativ selten.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_49\">Klinik<\/h4>\n<p>Einer gro\u00dfen Zahl von Knotentr\u00e4gern steht somit eine kleine Zahl von Malignomtr\u00e4gern gegen\u00fcber. Um die Karzinome nicht zu \u00fcbersehen und zugleich fr\u00fchzeitig zu erkennen, ist eine rationelle Diagnostik erforderlich, die sich nach klinischen Gesichtspunkten richtet. So ist jeder solit\u00e4re Knoten und jeder dominante Knoten in einer Knotenstruma verd\u00e4chtig. Eine feste oder gar derbe Konsistenz mit und ohne zervikale Lymphadenopathie ist richtungsweisend. Tritt ein Knoten rasch bei jungen Menschen (&lt;20 Jahre) oder nach einer Bestrahlung dieser Region auf, dann sollte ein Malignom unbedingt ausgeschlossen werden. Die eher typischen Zeichen wie Heiserkeit oder Horner-Syndrom weisen bereits auf einen fortgeschrittenen Tumor hin.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_50\">Diagnostik<\/h4>\n<p>Den verd\u00e4chtigen Befunden k\u00f6nnen regressive Knoten, Adenome, Zysten, Abszesse oder Malignome zu Grunde liegen. Die weitere Diagnostik umfasst deshalb prim\u00e4r die Sonographie, die bereits einige Differentialdiagnosen ausschlie\u00dfen oder eingrenzen kann. Verd\u00e4chtige Befunde k\u00f6nnen direkt unter sonographischer Kontrolle mit einer Feinnadelaspirationszytologie (FAC) abgekl\u00e4rt werden. Der FAC-Befund ist nicht immer eindeutig und bei verd\u00e4chtigen Befunden nur bei einem Malignit\u00e4tsnachweis sicher. Eine Szintigraphie ist nur bei Verdacht auf autonome Adenome oder einer hyperthyreoten Stoffwechsellage erforderlich.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_51\">Malignomverdacht<\/h4>\n<p>Alle Untersuchungsbefunde werden daraufhin interpretiert, ob ein Malignom vorliegen k\u00f6nnte. Bei allen Patienten mit einem hochgradig verd\u00e4chtigen FAC-Befund bzw. h\u00f6hergradig malignit\u00e4tsverd\u00e4chtigen Zellatypien wird die Operationsindikation gestellt. Beim zytologischen Nachweis einer follikul\u00e4ren oder onkozyt\u00e4ren Neoplasie sollte ebenfalls eine Operation kl\u00e4ren, ob nicht doch ein Karzinom vorliegt, denn follikul\u00e4re und onkozyt\u00e4re Adenome k\u00f6nnen mit der FAC nicht eindeutig von Malignomen unterschieden werden. Die Wahrscheinlichkeit eines Malignoms betr\u00e4gt in diesen Situationen bis zu zehn Prozent. Wird die operative Intervention abgelehnt, weil ein Malignom doch eher unwahrscheinlich ist, dann sollte nach drei Monaten unbedingt eine Kontrolluntersuchung veranlasst werden.<\/p>\n<p>Mesenchymale Tumoren sind in der Schilddr\u00fcse sehr selten. Die meisten benignen Tumore sind follikul\u00e4re Adenome, die aus dem Follikelepithel entstehen. Sie werden von einer d\u00fcnnen Kapsel umgeben und grenzen sich dadurch gut vom \u00fcbrigen Parenchym ab. Sie zeigen histologisch ein weitgehend homogenes Bild. Sie sind nur selten hyperfunktionell und werden dann \u201etoxisches\u201c Adenom genannt. Eingeschr\u00e4nkte Resektionen sind hier hinreichend.<\/p>\n<p>Malignome der Schilddr\u00fcse sind \u00fcberwiegend Karzinome. Allerdings treten auch alle anderen bekannten Malignome in seltenen F\u00e4llen in der Schilddr\u00fcse auf. Die Karzinome werden eingeteilt in papill\u00e4re, follikul\u00e4re, anaplastische und medull\u00e4re Karzinome.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_52\">Papill\u00e4re Karzinome<\/h4>\n<p>. Papill\u00e4re Karzinome sind h\u00e4ufig (50\u201380 %). Sie treten bevorzugt bei Frauen auf, wachsen h\u00e4ufiger multizentrisch (20 %) und metastasieren zun\u00e4chst lymphogen in zervikale und sp\u00e4ter auch mediastinale Lymphknoten. Erst sp\u00e4ter findet eine h\u00e4matogene Aussaat statt. Im fr\u00fchen Stadium besteht eine gute Prognose. Lediglich bei gro\u00dfen Tumoren, mit zunehmendem Alter, Multizentrizit\u00e4t und bestehender Metastasierung verschlechtert sie sich.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_53\">Follikul\u00e4re Karzinome<\/h4>\n<p>Follikul\u00e4re Karzinome sind dagegen seltener (5\u201315 %). Sie treten h\u00e4ufiger als kalte Knoten in Erscheinung und die Patienten sind im h\u00f6heren Lebensalter. Die Tumoren metastasieren bevorzugt h\u00e4matogen in Lunge, Knochen und Leber. Follikul\u00e4re Schilddr\u00fcsenkarzinome unterscheiden sich haupts\u00e4chlich darin, ob histologisch noch eine Kapsel nachweisbar ist oder nicht. Histopathologisch werden sie in drei Gruppen eingeteilt: in minimal-invasive gekapselte Tumoren ohne oder mit limitierter Gef\u00e4\u00dfinvasion (&lt; vier Gef\u00e4\u00dfeinbr\u00fcche), in gekapselte Tumoren mit mehr als drei Gef\u00e4\u00dfeinbr\u00fcchen und in weit invasiv wachsende Tumore mit grob invasivem Wachstum oder ohne sichtbare kapsul\u00e4re Abgrenzung. Eine prognostisch besonders g\u00fcnstige Fr\u00fchform ist die erste Gruppe der minimal invasiven follikul\u00e4ren Karzinome, denn hier treten so gut wie nie Metastasen auf. Eine begrenzte Resektion (Hemithyreoidektomie) wird von einigen Chirurgen empfohlen. Eine systematische Lymphadenektomie ist als Regeleingriff nicht erforderlich, schon gar nicht bei den g\u00fcnstigen Formen. Lediglich bei den fortgeschrittenen Befunden sollten sie erwogen werden. Die dritte Gruppe hat ein relativ schlechte Prognose und \u00e4hnelt manchmal den eher undifferenzierten Formen. Bei den fortgeschrittenen Befunden ist eine postoperative Radiojodtherapie erforderlich. Bei der Fr\u00fchform kann auf sie verzichtet werden.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_54\">TNM-Stadien der differenzierten Karzinome<\/h4>\n<p>Das T-Stadium entspricht der Tiefenausdehnung des Tumors.<\/p>\n<table class=\"bas\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>T1-Stadium<\/td>\n<td>Tumor ist auf die Schilddr\u00fcse begrenzt (&lt; 2cm)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>T2-Stadium<\/td>\n<td>Tumor ist auf die Schilddr\u00fcse begrenzt\u00a0(2-4 cm)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>T3-Stadium<\/td>\n<td>Tumor ist auf die Schilddr\u00fcse begrenzt\u00a0(&gt;4 cm)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>T4-Stadium<\/td>\n<td>T4a -Infiltration in das Subkutangewebe, Larynx, Trachea, \u00d6sophagus, Recurrens<br \/>\nT4b &#8211; Pr\u00e4vertebrale Faszie, mediastinale Gef\u00e4\u00dfe, A. carotis<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Das N-Stadium entspricht der Ausbreitung entlang der Lymphknoten.<\/p>\n<table class=\"bas\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>N0-Stadium<\/td>\n<td>Keine Lymphknotenmetastasen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>N1-Stadium<\/td>\n<td>Region\u00e4re\u00a0Lymphknotenmetastasen<br \/>\nN1a &#8211; Level IV<br \/>\nN1b &#8211; andere region\u00e4re<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Mindestens 6 untersuchte Lymphknoten<\/p>\n<p>Das M-Stadium entspricht der Fernmetastasierung.<\/p>\n<table class=\"bas\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>M0-Stadium<\/td>\n<td>Keine Fernmetastasen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>M1-Stadium<\/td>\n<td>Fernmetastasen<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Spezielle Gegebenheiten werden in der TNM-Formel durch Suffixe angegeben:<br \/>\nc &#8211; Klinisches Stadium<br \/>\np &#8211; histologisch gesichertes Stadium<br \/>\ny &#8211; Stadium w\u00e4hrend oder nach onkologischer Vorbehandlung<br \/>\nr\u00a0 &#8211; Stadium eines Rezidivtumors<br \/>\nm &#8211; multifokale L\u00e4sionen<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_55\">Undifferenzierte Karzinome<\/h4>\n<p>Neben den genannten, relativ gut differenzierten Karzinomen kommt auch ein undifferenziertes bzw. anaplastisches Karzinom vor, das histologisch fast wie ein Sarkom aussieht. Es tritt im h\u00f6heren Lebensalter und h\u00e4ufiger bei Frauen auf. Die Anamnese ist h\u00e4ufig kurz, das Wachstum rasant und die Stoffwechsellage euthyreot. Die Prognose ist sehr schlecht, weil sich der Tumor rasch lymphogen und h\u00e4matogen ausbreitet. Die meisten Patienten leben nur einige Monate nach der Diagnosestellung.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_54\">TNM-Stadien der differenzierten Karzinome<\/h4>\n<p>Das T-Stadium entspricht der Tiefenausdehnung des Tumors.<\/p>\n<table class=\"bas\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>T1-Stadium<\/td>\n<td>Tumor ist auf die Schilddr\u00fcse begrenzt (&lt; 2cm)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>T2-Stadium<\/td>\n<td>Tumor ist auf die Schilddr\u00fcse begrenzt\u00a0(2-4 cm)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>T3-Stadium<\/td>\n<td>Tumor ist auf die Schilddr\u00fcse begrenzt\u00a0(&gt;4 cm)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>T4-Stadium<\/td>\n<td>T4a -Begrenzt auf die Schilddr\u00fcse<br \/>\nT4b -Ausbreitung jenseits der Schilddr\u00fcsenkapsel<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Das N-Stadium entspricht der Ausbreitung entlang der Lymphknoten.<\/p>\n<table class=\"bas\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>N0-Stadium<\/td>\n<td>Keine Lymphknotenmetastasen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>N1-Stadium<\/td>\n<td>Region\u00e4re\u00a0Lymphknotenmetastasen<br \/>\nN1a &#8211; Level IV<br \/>\nN1b &#8211; andere region\u00e4re<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Mindestens 6 untersuchte Lymphknoten<\/p>\n<p>Das M-Stadium entspricht der Fernmetastasierung.<\/p>\n<table class=\"bas\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>M0-Stadium<\/td>\n<td>Keine Fernmetastasen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>M1-Stadium<\/td>\n<td>Fernmetastasen<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Spezielle Gegebenheiten werden in der TNM-Formel durch Suffixe angegeben:<br \/>\nc &#8211; Klinisches Stadium<br \/>\np &#8211; histologisch gesichertes Stadium<br \/>\ny &#8211; Stadium w\u00e4hrend oder nach onkologischer Vorbehandlung<br \/>\nr &#8211; Stadium eines Rezidivtumors<br \/>\nm &#8211; multifokale L\u00e4sionen<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_56\">Medull\u00e4re Karzinome<\/h4>\n<p>Zur vierten Gruppe der Schilddr\u00fcsenkarzinome geh\u00f6rt das medull\u00e4re Schilddr\u00fcsenkarzinom bzw. das C-Zellkarzinom, das seinen Ausgangspunkt von den C-Zellen nimmt. Auch wenn 75 bis 80 Prozent dieser Karzinome sporadisch auftreten, sollte immer mit einer famili\u00e4ren H\u00e4ufung gerechnet werden, denn das C-Zellkarzinom kann eine Manifestation der multiplen endokrinen Neoplasie (MEN) vom Typ II a oder b sein. Die H\u00e4lfte der Patienten mit einem medull\u00e4ren Karzinom weisen zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Lymphknotenmetastasen im zervikalen und mediastinalen Bereich auf. Bei vielen, aber nicht allen Patienten kann ein erh\u00f6hter Kalzitonin- und CEA-Spiegel nachgewiesen werden. Bei allen heredit\u00e4ren Formen ist der Kalzitoninspiegel typischerweise nach einer Stimulation mit Pentagastrin erh\u00f6ht, w\u00e4hrend er bei den Gesunden normal bleibt. Au\u00dferdem ist Kalzitonin als Marker im Rahmen der Tumornachsorge wichtig. Bei allen medull\u00e4ren Karzinomen ist eine exakte Familienanamnese zu erheben. Manchmal scheint der Tumor sporadisch aufzutreten, erweist sich aber bei einer Genanalyse (RET-Mutationen in den FMTC\/MEN-2-spezifischen Kodons) als famili\u00e4r. Bei verd\u00e4chtigen Befunden ist deshalb eine Genanalyse angeraten.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_57\">Malignomverdacht<\/h4>\n<p>Hinweisend auf ein Schilddr\u00fcsenkarzinom ist ein suspekter Knoten im jungen (&lt;20 J.) oder h\u00f6heren (&gt;60 J.) Lebensalter. Die meisten Tumoren sind symptomlos und werden nur im Rahmen einer Untersuchung wegen eines Knotens als verd\u00e4chtig eingestuft. Bei fast 25 % der F\u00e4lle treten zuerst Lymphknotenmetastasen oder Fernmetastasen klinisch in den Vordergrund und erst danach wird das Schilddr\u00fcsenkarzinom entdeckt. Bei jedem Verdacht auf ein Schilddr\u00fcsenkarzinom ist neben der klinischen Untersuchung eine Sonographie und Bestimmung der Schilddr\u00fcsenfunktion erforderlich. Weder die Szintigraphie noch die Messung des Thyreoglobulins eignen sich zur definitiven Differenzierung zwischen benignen und malignen Befunden, so dass ihre Anforderung begr\u00fcndet werden sollte.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_58\">Operationsindikation<\/h4>\n<p>Jeder verd\u00e4chtige Knoten sollte zur endg\u00fcltigen histologischen Begutachtung reseziert werden. Bei hochgradigem Malignomverdacht wird der Schilddr\u00fcsenlappen einschlie\u00dflich Lymphadenektomie des zentralen Kompartiments entfernt.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_59\">Operationsvorbereitung<\/h4>\n<p>Zur Operationsvorbereitung geh\u00f6rt neben den Staging-Untersuchungen (R\u00f6ntgen-Thorax, Sonographie der Leber), die Kontrolle der Stimmbandfunktion und die Messung des Kalzium- und Kalzitonin-Spiegels. Bei ausgedehnten Tumoren (T4-Tumoren) oder mediastinalen Tumoren sollte durch eingehende bildgebende Diagnostik (MRT) die Ausdehnung pr\u00e4operativ bestimmt werden.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_60\">Operation<\/h4>\n<p>Bei differenzierten Schilddr\u00fcsenkarzinomen wurde fr\u00fcher immer eine Thyreoidektomie mit Ausr\u00e4umung der Lymphkoten im zentralen Kompartiment empfohlen. Heute werden fr\u00fche papill\u00e4re Karzinome mit einem Durchmesser kleiner als ein Zentimeter und minimal-invasive follikul\u00e4re Karzinome nicht mehr so radikal reseziert. Von einigen wird zwar auch hier eine Thyreoidektomie empfohlen, andere sehen eher eine Indikation zur Hemithyreoidektomie mit kontralateraler subtotaler Resektion. Wird intraoperativ im zentralen Kompartiment eine Lymphknotenmetastase vermutet, wird nat\u00fcrlich das zentrale Kompartment entfernt. Bei verd\u00e4chtigen Befunden im lateralen Kompartment wird auch dieses reseziert. Bei der lateralen Dissektion wird der M. sternocleidomastoideus angeschlungen und nach lateral verlagert. V. jugularis, A. carotis, N. vagus, N. hypoglossus und N. accessorius werden freipr\u00e4pariert, um das gesamte Fett- und Lymphgewebe von kranial bis zur V. subclavia zu entfernen. Bei sehr ausgedehnten Befunden ist selten die Sternotomie erforderlich. Die gleichzeitige Resektion von Teilen des \u00d6sophagus und der Trachea ist die extreme Ausnahme. Fernmetastasen werden nur dann entfernt, wenn sie solit\u00e4r auftreten oder lebenswichtige Funktionen einschr\u00e4nken.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_61\">Anaplastischer Tumor<\/h4>\n<p>Bei einem anaplastischen Tumor ist die rasche Progredienz und relativ schlechte Prognose zu bedenken. Angestrebt wird immer die vollst\u00e4ndige Entfernung des Prim\u00e4rtumors, um eine sp\u00e4tere Kompression von Trachea und \u00d6sophagus zu vermeiden. Dazu werden die gesamte Schilddr\u00fcse und die geraden Halsmuskeln entfernt. Bei gr\u00f6\u00dferen Tumoren wird die Resektionslinie bedarfsgerecht erweitert. Eine externe Bestrahlung mit bis zu 50\u201360 Gy in Mehrfeldertechnik sollte postoperativ erwogen werden.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_62\">Medull\u00e4res Karzinom<\/h4>\n<p>Die sorgf\u00e4ltige Thyreoidektomie mit subtiler Lymphknotendissektion sind beim medull\u00e4ren Karzinom immer angezeigt, auch wenn Lymphknoten- oder Fernmetastasen vorliegen, denn die nicht resektablen Metastasen wachsen relativ langsam. Da die Tumoren kein Jod aufnehmen, ist postoperativ keine Radiojodtherapie sinnvoll. Als prim\u00e4rer Eingriff wird grunds\u00e4tzlich eine Thyreoidektomie mit Ausr\u00e4umung des zentralen Kompartiments vorgenommen. Bei Lymphknotenmetastasen wird das ipsilaterale Kompartiment ebenfalls ausger\u00e4umt. Besteht bereits pr\u00e4operativ der Verdacht auf mediastinale Metastasen, dann wird \u00fcber eine Sternotomie auch das mediastinale Kompartiment ausger\u00e4umt. Selbst fortgeschrittene Tumoren, die gut resektabel sind, sollten so weit wie m\u00f6glich entfernt werden.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_63\">Malignomverdacht<\/h4>\n<p>Wurde das Malignom pr\u00e4operativ nicht eindeutig durch eine FAC gesichert, dann wird eine Hemithyreoidektomie mit Lymphadenektomie des zentralen Kompartiments auf der betroffenen Seite empfohlen. Liegen \u00fcberhaupt keine Befunde vor und ist der Befund makroskopisch suspekt, kann eine Schnellschnittuntersuchung die Situation m\u00f6glicherweise kl\u00e4ren. Bei einer follikul\u00e4ren Neoplasie gestaltet sich die Schnellschnittdiagnose aber schwierig. Im Zweifelsfall wird die suspekte Seite vollst\u00e4ndig reseziert.<\/p>\n<p>Malignom in sp\u00e4terer Histologie. Manchmal findet sich \u00fcberraschenderweise ein Malignom im histologischen Pr\u00e4parat. Eine Nachresektion wird dann innerhalb von f\u00fcnf bis sieben Tagen angestrebt. In diesem Zeitintervall ist die erneute Operation noch mit einem relativ geringen Risiko f\u00fcr den N. recurrens und die Epithelk\u00f6rperchen durchf\u00fchrbar.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_64\">Radiojodtherapie<\/h4>\n<p>Postoperativ schlie\u00dft sich bei papill\u00e4ren und follikul\u00e4ren Tumoren eine Radiojodtherapie an. Lediglich bei papill\u00e4ren T1-Tumoren oder minimal-invasiven follikul\u00e4ren Karzinomen wird auf den adjuvanten Effekt verzichtet. Beim anaplastischen und medull\u00e4ren Karzinom ist eine Radiojodtherapie nicht sinnvoll, weil das Gewebe kein Jod speichert. Als einzige wesentliche Kontraindikation der Radiojodtherapie gilt die Schwangerschaft, die immer definitiv ausgeschlossen werden muss. Bei einer geplanten Radiojodbehandlung darf der Patient postoperativ keine Schilddr\u00fcsenhormone oder andere jodhaltige Substanzen (Medikamente, Kontrastmittel, Jodsalz) erhalten. Das basale TSH sollte mindestens 30 mU\/l betragen.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_65\">Nachbehandlung<\/h4>\n<p>Nach einer ausgedehnten Thyreoidektomie l\u00e4sst sich bei f\u00fcnf bis 20 Prozent der Patienten eine tempor\u00e4re Rekurrensparese nachweisen, die in ein bis zehn Prozent der F\u00e4lle verbleibt. Ein Hypoparathyreoidismus wird bei bis zu 30 Prozent beschrieben. Im Rahmen einer Nachsorge wird versucht, alle Folgeerscheinungen optimal zu therapieren und lokoregion\u00e4re Rezidive oder Metastasen fr\u00fchzeitig zu diagnostizieren. Bei differenzierten Karzinomen wird dazu neben der Sonographie das Thyreoglobulin bestimmt und beim medull\u00e4ren das Kalzitonin und CEA. Lokoregion\u00e4re Rezidive treten auch nach unvollst\u00e4ndiger Resektion der Schilddr\u00fcse oder Lymphknoten auf. Sie k\u00f6nnen zwar erneut entfernt werden, aber die Komplikationsrate ist dabei deutlich h\u00f6her. Bei einem mediastinalen Befall wird bei jodspeichernden Befunden prim\u00e4r die Radiojodbehandlung empfohlen, ansonsten die Sternotomie.<\/p>\n<h4 id=\"heading_id_66\">Postoperative Behandlung<\/h4>\n<p>Mit Ausnahme der Patienten nach Hemithyreoidektomie eines papill\u00e4ren Karzinoms im Stadium pT1 oder mit einem minimal-invasiven follikul\u00e4ren Karzinom erhalten alle \u00fcbrigen Patienten mit einem papill\u00e4ren oder follikul\u00e4ren Karzinom unabh\u00e4ngig vom TNM-Stadium postoperativ eine Radiojodtherapie, die ungef\u00e4hr vier Wochen nach der Operation beginnt. Bis zur Radiojodtherapie sollte jede Jodkontamination (z. B. R\u00f6ntgenkontrastmittel) unbedingt vermieden werden. Jede Gabe von L-Thyroxin ist zu unterlassen. Bis 14 Tage vor der Radiojodtherapie werden 100 \u00b5g Trijodthyronin appliziert. Beim medull\u00e4ren oder anaplastischen Karzinom wird ab dem 2. postop. Tag 2 \u00b5g\/kg KG L-Thyroxin pro Tag substituiert (150-200 \u00b5g).<\/p>\n<\/div><\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[34],"tags":[],"class_list":["post-4150","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-chirurgie"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Schilddr\u00fcsenkarzinom - Berliner Gelassenheit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/archive\/4150\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Schilddr\u00fcsenkarzinom - Berliner Gelassenheit\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/archive\/4150\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Berliner Gelassenheit\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2023-04-04T16:01:57+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2023-04-04T16:01:58+00:00\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Bartholom\u00e4us B\u00f6hm\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Verfasst von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Bartholom\u00e4us B\u00f6hm\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"13\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/4150#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/4150\"},\"author\":{\"name\":\"Bartholom\u00e4us B\u00f6hm\",\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/e7bb56a842d02bb40f4663709bf5242d\"},\"headline\":\"Schilddr\u00fcsenkarzinom\",\"datePublished\":\"2023-04-04T16:01:57+00:00\",\"dateModified\":\"2023-04-04T16:01:58+00:00\",\"mainEntityOfPage\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/4150\"},\"wordCount\":2654,\"publisher\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/e7bb56a842d02bb40f4663709bf5242d\"},\"articleSection\":[\"Chirurgie\"],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/4150\",\"url\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/4150\",\"name\":\"Schilddr\u00fcsenkarzinom - Berliner Gelassenheit\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#website\"},\"datePublished\":\"2023-04-04T16:01:57+00:00\",\"dateModified\":\"2023-04-04T16:01:58+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/4150#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/4150\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/4150#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Schilddr\u00fcsenkarzinom\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#website\",\"url\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/\",\"name\":\"Berliner Gelassenheit\",\"description\":\"Heiterkeit und Widerspr\u00fcche\",\"publisher\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/e7bb56a842d02bb40f4663709bf5242d\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":[\"Person\",\"Organization\"],\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/e7bb56a842d02bb40f4663709bf5242d\",\"name\":\"Bartholom\u00e4us B\u00f6hm\",\"logo\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/image\\\/\"},\"description\":\"Prof. Dr. med. 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