{"id":3872,"date":"2023-04-03T16:12:33","date_gmt":"2023-04-03T14:12:33","guid":{"rendered":"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/?p=3872"},"modified":"2023-04-03T16:12:34","modified_gmt":"2023-04-03T14:12:34","slug":"elektrochirurgische-grundlagen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/archive\/3872","title":{"rendered":"Elektrochirurgische Grundlagen"},"content":{"rendered":"\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-av_one_full-7acc1372e522d1472d3487e02738ae1c\">\n.flex_column.av-av_one_full-7acc1372e522d1472d3487e02738ae1c{\nbackground-color:#22689e;\n}\n<\/style>\n<div  class='flex_column av-av_one_full-7acc1372e522d1472d3487e02738ae1c av_one_full  avia-builder-el-0  el_before_av_hr  avia-builder-el-first  first flex_column_div  '     ><style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-lg0wtdf3-0113d2833d6fa4bdbd7e317ca2cc865e\">\n#top .av-special-heading.av-lg0wtdf3-0113d2833d6fa4bdbd7e317ca2cc865e{\nmargin:20px 20px 20px 20px;\npadding-bottom:0;\ncolor:#ffffff;\n}\nbody .av-special-heading.av-lg0wtdf3-0113d2833d6fa4bdbd7e317ca2cc865e .av-special-heading-tag .heading-char{\nfont-size:25px;\n}\n#top #wrap_all .av-special-heading.av-lg0wtdf3-0113d2833d6fa4bdbd7e317ca2cc865e .av-special-heading-tag{\npadding:5px 5px 5px 5px;\n}\n.av-special-heading.av-lg0wtdf3-0113d2833d6fa4bdbd7e317ca2cc865e .special-heading-inner-border{\nborder-color:#ffffff;\n}\n.av-special-heading.av-lg0wtdf3-0113d2833d6fa4bdbd7e317ca2cc865e .av-subheading{\nfont-size:15px;\n}\n<\/style>\n<div  class='av-special-heading av-lg0wtdf3-0113d2833d6fa4bdbd7e317ca2cc865e av-special-heading-h3 custom-color-heading blockquote classic-quote  avia-builder-el-1  avia-builder-el-no-sibling '><h3 class='av-special-heading-tag '  itemprop=\"headline\"  >Elektrochirurgische Grundlagen<\/h3><div class=\"special-heading-border\"><div class=\"special-heading-inner-border\"><\/div><\/div><\/div><\/div><div  class='hr av-av_hr-91d7ccd583a503147498e120fee2ff9b hr-default  avia-builder-el-2  el_after_av_one_full  el_before_av_textblock '><span class='hr-inner '><span class=\"hr-inner-style\"><\/span><\/span><\/div><\/p>\n<section  class='av_textblock_section av-lg0wuegj-4a5747050ebff314d0640956ef339ac7 '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/BlogPosting\" itemprop=\"blogPost\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><p>Bei jeder Operation sollte das Gewebetrauma minimiert werden. Dazu w\u00e4re es g\u00fcnstig, wenn das gesamte Gewebe nur scharf mit dem Skalpell oder der Schere durchtrennt wird, denn dabei wird das benachbarte Gewebe nicht besch\u00e4digt. Dieses Vorgehen w\u00fcrde aber zu vielen kleinen Blutungen f\u00fchren, die den Blutverlust bei der Operation unn\u00f6tig erh\u00f6hen und die weitere Pr\u00e4paration erschweren, weil die Schichten nicht mehr so gut zu erkennen sind. Man kann zwar darauf vertrauen, dass sich kleine Gef\u00e4\u00dfe kontrahieren und bei einer normalen Gerinnung die Blutung spontan aufh\u00f6rt, aber mittelgro\u00dfe Gef\u00e4\u00dfe w\u00fcrden munter weiter bluten.<\/p>\n<p>In der ersten H\u00e4lfte des letzten Jahrhunderts wurde die Elektrochirurgie eingef\u00fchrt, bei der der Effekt eines elektrischen Stromes auf das Gewebe genutzt wird. Hierbei wird ein hochfrequenter Strom von 300 bis 500 kHz verwendet, weil er die Nerven oder andere Rezeptoren nicht anregt und auch keine Muskelaktivit\u00e4ten bzw. Tetanie ausl\u00f6st. Von dem amerikanischen Chirurgen George A. Wyeth 1923 angeregt, kombinierte der Harvard-Physiker William Bovie 1926 zwei Generatoren, die jeweils einen Strom zum Schneiden (gelbe Taste) und einen zum Koagulieren (blaue Taste) erzeugten. Die Ingenieure fanden damals heraus, das eine Sinusschwingung mit geringer Spannung und hoher Stromst\u00e4rke das Gewebe leicht durchtrennt, w\u00e4hrend eine sehr stark ged\u00e4mpfte Schwingung mit kurzen Unterbrechungen, mit hoher Spannung und niedriger Stromst\u00e4rke das Gewebe koaguliert. Nachdem sich die Elektrochirurgie als sehr hilfreiches Instrument erwiesen hatte, wurde sie kontinuierlich weiterentwickelt, so dass man heute mit ihrer Hilfe komplexe chirurgische T\u00e4tigkeiten aus\u00fcben kann. Um die Elektrochirurgie in der Praxis optimal einzusetzen, sollte die Wirkungsweise des elektrischen Stromes auf das Gewebe bekannt sein.<\/p>\n<p>An dem elektrochirurgischen Instrumentarium existiert auch heute noch eine gelbe und blaue Taste. Das bedeutet aber nicht zwangsl\u00e4ufig, dass mit der blauen Taste koaguliert wird und mit der gelben geschnitten. Je nachdem wie der Generator eingestellt wurde, kann mit der gelben Taste auch koaguliert und mit der blauen Taste geschnitten werden.<\/p>\n<h3>Grundlagen<\/h3>\n<h4>Thermische Energie<\/h4>\n<p>Bei der elektrochirurgischen Anwendung wird die elektrische Energie beim Durchflie\u00dfen des Gewebes in thermische Energie umgewandelt. Das Gewebe erhitzt sich, wobei die erzeugte Temperatur das Ausma\u00df der Gewebesch\u00e4digung definiert. Bei Temperaturen im Bereich 50 bis 60 \u00b0C sind die Sch\u00e4digungen makroskopisch nicht sichtbar, sondern nur histologisch. Bereits bei dieser geringen Temperatur wird der Metabolismus der Zellen irreversibel gesch\u00e4digt. Erst bei einer Temperaturerh\u00f6hung auf 60 bis 80 \u00b0C verf\u00e4rbt sich das Gewebe durch die Denaturierung der Proteine wei\u00dflich. Es trocknet und schrumpft. Bei Temperaturen \u00fcber 100 \u00b0C kocht das Wasser in den Zellen, Wasserdampf entwickelt sich und die Zellen platzen durch den erh\u00f6hten intrazellul\u00e4ren Druck. Die Temperatur steigt bei weiterer Energiezuf\u00fchrung sehr rasch auf \u00fcber 200 \u00b0C an. Das Gewebe beginnt zu verbrennen und verkohlt. Es entsteht Rauch.<\/p>\n<div class=\"ir\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-3714\" src=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Elektro1-133x300.jpg\" alt=\"\" width=\"246\" height=\"555\" \/><\/p>\n<p class=\"caption\"><b><i>Effekt der W\u00e4rmeentwicklung auf das Gewebe<\/i><\/b><\/p>\n<\/div>\n<h4>W\u00e4rmeentwicklung<\/h4>\n<p>Aber nicht nur die absolute Menge an elektrischer Energie beeinflusst die Gewebesch\u00e4digung, sondern auch in welchem Zeitintervall sie appliziert wird. Wenn die W\u00e4rme sich sehr schnell entwickelt, dann steigt die Temperatur extrem rasch im Gewebe an und zerst\u00f6rt es. Das Gewebe verdunstet oder verkohlt. Wird dieselbe W\u00e4rmemenge dem Gewebe langsamer zugef\u00fchrt, dann breitet sie sich weiter in die Umgebung aus, so dass die Temperatur im Gewebe nicht ganz so hoch ansteigt. Statt der vollst\u00e4ndigen Zerst\u00f6rung einer kleinen oberfl\u00e4chlichen Gewebemenge wird jetzt eine gr\u00f6\u00dfere Gewebemenge erw\u00e4rmt. Wenn sich die W\u00e4rme in die Tiefe ausbreiten soll, um das Gewebe dort zu koagulieren, dann darf die n\u00f6tige Energie also nicht zu schnell appliziert werden.<\/p>\n<h4>Gewebeeffekt<\/h4>\n<p>Der Gewebeeffekt l\u00e4sst sich durch folgende Faktoren kontrollieren: die applizierte elektrische Energiemenge pro Zeit bzw. Leistung [W], die Elektrodenform, die Modulation des elektrischen Stromes (Spannung, Stromst\u00e4rke, Schwingung) und die Art der Applikation (monopolar oder bipolar).<\/p>\n<h4>Energiemenge<\/h4>\n<p>Die entwickelte W\u00e4rme h\u00e4ngt prim\u00e4r von der Menge der elektrischen Energie ab, die durch das Gewebe flie\u00dft. Die elektrische Energieabgabe des Generators pro Zeit wird als Leistung bezeichnet und in Watt angegeben. Diese Ausgangsleistung des Generators wird individuell eingestellt (z. B. 40 Watt). Ist die klinische Wirkung des elektrischen Stromes auf das Gewebe unzureichend, dann sollte die Leistung des Generators erh\u00f6ht werden (z. B. 50 Watt). Nun wird mehr Energie pro Zeit abgegeben, so dass sich die Temperatur im Gewebe schneller erh\u00f6ht und das Gewebe rascher verkocht bzw. verkohlt. Mit der Einstellung der Leistung kann der gew\u00fcnschte Effekt grob eingestellt werden. Allerdings sollte ber\u00fccksichtigt werden, dass mit der h\u00f6heren Energieabgabe auch die W\u00e4rmeentwicklung im Gewebe beschleunigt wird, so dass das Gewebe eher verdampfen oder verkohlen kann, bevor die erw\u00fcnschte Tiefenwirkung eingetreten ist. Da eine Koagulation nur bei Temperaturen unter 100 \u00b0C eintritt, darf das zu koagulierende Gewebe nicht zu schnell erhitzt werden. Bei einer zu starken Temperaturerh\u00f6hung w\u00fcrde das Gewebe zerst\u00f6rt und nicht koaguliert. Dadurch w\u00fcrde letztlich keine Blutstillung erreicht werden. Wird die Energieabgabe des Generators vermindert, dann ist unter Umst\u00e4nden gar kein Gewebeeffekt mehr festzustellen, weil die geringe Energie nur wenig W\u00e4rme bildet, die kontinuierlich mit dem Blut abtransportiert wird. Dies trifft besonders bei sehr gut durchblutetem Gewebe zu, welches die W\u00e4rme besonders gut leitet. In diesen F\u00e4llen ist die Energieabgabe zu erh\u00f6hen, um einen Effekt zu erzielen.<\/p>\n<h4>Elektrodenform<\/h4>\n<p>Die entwickelte thermische Energie h\u00e4ngt vom Fluss der Ladungen durch das Gewebe ab. Wird die Stromdichte erh\u00f6ht, indem derselbe Strom \u00fcber eine kleinere Elektrode flie\u00dft, dann erh\u00f6ht sich an dieser Stelle auch die thermische Energie. Wenn mit einer normalen Messerelektrode operiert wird, dann werden mit der Spitze, der Schneide oder der breiten Fl\u00e4che unterschiedliche Effekte erzielt, obgleich dieselbe Energiemenge appliziert wird. Mit der Spitze kann das Gewebe leicht durchtrennt werden, weil die Stromdichte an diesem Punkt sehr hoch ist. Mit der Schneide w\u00fcrde das Gewebe eher koaguliert werden. Wird die breite Seite verwendet, dann tritt m\u00f6glicherweise gar kein Effekt auf, weil die geringe Stromdichte nur wenig thermische Energie produziert, die direkt abgeleitet wird. Die Elektrodenkonfiguration bestimmt somit \u00fcber die Stromdichte an der Elektrode wesentlich den Gewebeeffekt.<\/p>\n<h4>Neutralelektrode<\/h4>\n<p>Das ist auch der Grund, warum an der Neutralelektrode, die breitfl\u00e4chig den Strom ableitet, die Haut nicht verbrennt. Die Stromdichte ist hier sehr gering. Liegt die Neutralelektrode aber nur an einer kleinen Stelle an, dann reicht die Stromdichte aus, um eine Verbrennung auszul\u00f6sen. Obgleich die modernen Ger\u00e4te alle \u00fcber Warnhinweise verf\u00fcgen, wenn Probleme mit der Neutralelektrode auftreten, sollte die Neutralelektrode unbedingt gem\u00e4\u00df der Gebrauchsanweisung sorgf\u00e4ltig aufgeklebt werden, um Verbrennungen zu vermeiden. Die Neutralelektrode sollte m\u00f6glichst nahe des Operationsgebietes auf gut leitendem Gewebe (z.B. Muskulatur) platziert werden. Der Strom sollte in L\u00e4ngsrichtung und nicht quer zur K\u00f6rperachse flie\u00dfen. Ein Stromfluss quer durch den Thorax oder in der N\u00e4he von Schrittmachern sollte unbedingt vermieden werden. Einige Schrittmacher m\u00fcssen kurz vor der Operationen ausgestellt werden.<\/p>\n<\/div><\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[34],"tags":[],"class_list":["post-3872","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-chirurgie"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Elektrochirurgische Grundlagen - Berliner Gelassenheit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/archive\/3872\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Elektrochirurgische Grundlagen - 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