{"id":3812,"date":"2023-04-03T13:33:22","date_gmt":"2023-04-03T11:33:22","guid":{"rendered":"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/?p=3812"},"modified":"2023-04-03T15:47:46","modified_gmt":"2023-04-03T13:47:46","slug":"antibiotika","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/archive\/3812","title":{"rendered":"Antibiotika"},"content":{"rendered":"\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-4avzys-4675c9242609640042b07f2e0a4b108e\">\n.flex_column.av-4avzys-4675c9242609640042b07f2e0a4b108e{\nbackground-color:#22689e;\n}\n<\/style>\n<div  class='flex_column av-4avzys-4675c9242609640042b07f2e0a4b108e av_one_full  avia-builder-el-0  el_before_av_hr  avia-builder-el-first  first flex_column_div  '     ><style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-lg0r0b9o-19404dff8c8b1fb37578781d6baf866f\">\n#top .av-special-heading.av-lg0r0b9o-19404dff8c8b1fb37578781d6baf866f{\nmargin:20px 20px 20px 20px;\npadding-bottom:0;\ncolor:#ffffff;\n}\nbody .av-special-heading.av-lg0r0b9o-19404dff8c8b1fb37578781d6baf866f .av-special-heading-tag .heading-char{\nfont-size:25px;\n}\n#top #wrap_all .av-special-heading.av-lg0r0b9o-19404dff8c8b1fb37578781d6baf866f .av-special-heading-tag{\npadding:5px 5px 5px 5px;\n}\n.av-special-heading.av-lg0r0b9o-19404dff8c8b1fb37578781d6baf866f .special-heading-inner-border{\nborder-color:#ffffff;\n}\n.av-special-heading.av-lg0r0b9o-19404dff8c8b1fb37578781d6baf866f .av-subheading{\nfont-size:15px;\n}\n<\/style>\n<div  class='av-special-heading av-lg0r0b9o-19404dff8c8b1fb37578781d6baf866f av-special-heading-h3 custom-color-heading blockquote classic-quote  avia-builder-el-1  avia-builder-el-no-sibling '><h3 class='av-special-heading-tag '  itemprop=\"headline\"  >Antibiotika<\/h3><div class=\"special-heading-border\"><div class=\"special-heading-inner-border\"><\/div><\/div><\/div><\/div><div  class='hr av-ag8lw-1ede2cdf481e476c2ce43359e4e733e0 hr-default  avia-builder-el-2  el_after_av_one_full  el_before_av_toggle_container '><span class='hr-inner '><span class=\"hr-inner-style\"><\/span><\/span><\/div><\/p>\n<div  class='togglecontainer av-lg0r5vlw-1598beb55b10d5f0e3961c9fba15b34e av-elegant-toggle  avia-builder-el-3  el_after_av_hr  avia-builder-el-last  toggle_close_all' ><div class='taglist'><div class=\"tag-tab\"><a href=\"#\" data-tag=\"{Alle}\" class=\"activeFilter\">Alle<\/a><span class='tag-seperator'>\/<\/span><\/div><div class=\"tag-tab\"><a href=\"#\" data-tag=\"{1}\" class=\"\">1<\/a><span class='tag-seperator'>\/<\/span><\/div><div class=\"tag-tab\"><a href=\"#\" data-tag=\"{2}\" class=\"\">2<\/a><span class='tag-seperator'>\/<\/span><\/div><div class=\"tag-tab\"><a href=\"#\" data-tag=\"{3}\" class=\"\">3<\/a><span class='tag-seperator'>\/<\/span><\/div><\/div>\n<section class='av_toggle_section av-lg0r3hkq-5db3d7cf15070dc05a4af56a1915dd10'  itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/BlogPosting\" itemprop=\"blogPost\" ><div role=\"tablist\" class=\"single_toggle\" data-tags=\"{Alle} {1} \"  ><p id='toggle-toggle-id-1' data-fake-id='#toggle-id-1' class='toggler  av-title-above '  itemprop=\"headline\"  role='tab' tabindex='0' aria-controls='toggle-id-1' data-slide-speed=\"200\" data-title=\"Allgemeines\" data-title-open=\"\" data-aria_collapsed=\"Click to expand: Allgemeines\" data-aria_expanded=\"Click to collapse: Allgemeines\">Allgemeines<span class=\"toggle_icon\"><span class=\"vert_icon\"><\/span><span class=\"hor_icon\"><\/span><\/span><\/p><div id='toggle-id-1' aria-labelledby='toggle-toggle-id-1' role='region' class='toggle_wrap  av-title-above'  ><div class='toggle_content invers-color '  itemprop=\"text\" ><h4>Auswahl<\/h4>\n<p>Bei der Auswahl eines Antibiotikums sollte immer ber\u00fccksichtigt werden, ob es \u00fcberhaupt in das Gewebe penetrieren und die Bakterien bek\u00e4mpfen kann. Bei akuten Infektionen wird die Penetration des Antibiotikums durch die zunehmende Permeabilit\u00e4t des Gewebes beg\u00fcnstigt. Bei chronischen Infekten oder intrazellul\u00e4ren Keimen und bei allen Strukturen mit einer schlechten Blutversorgung (z.B. Abszessen) kann das Antibiotikum nur abgeschw\u00e4cht wirken. Bei implantiertem Fremdmaterial entwickelt sich auf den Oberfl\u00e4chen manchmal ein Schleim, der die Organismen vor der Einwirkung des Antibiotikums sch\u00fctzt.<\/p>\n<h4>Applikationsweise<\/h4>\n<p>Die Art der Verabreichung eines Antibiotikums sollte in den Hintergrund treten und stattdessen auf das Spektrum, die Bioverf\u00fcgbarkeit und Gewebepenetration geachtet werden. In Notf\u00e4llen wird das Antibiotikum intraven\u00f6s gegeben, um rasch einen hohen Gewebespiegel zu erreichen. Bei allen Patienten, die oral ern\u00e4hrt werden k\u00f6nnen, sollte das Antibiotikum oral appliziert werden, wenn es eine hohe Bioverf\u00fcgbarkeit besitzt, denn bei \u00e4quivalenter Dosierung ist kein Unterschied im Therapieeffekt zu erwarten. Die Bioverf\u00fcgbarkeit ist beim Vancomycin bekannterweise sehr schlecht, aber bei den Cephalosporinen, Makroliden oder \u00df-Lactam-Penicillinen v\u00f6llig ausreichend. Eventuell ist die Dosierung zu erh\u00f6hen, um einen vergleichbaren Gewebespiegel zu erreichen.<\/p>\n<h4>Pharmakodynamik<\/h4>\n<p>Die Bakterizidie h\u00e4ngt bei einigen Antibiotika von der spezifischen Pharmakodynamik ab. Aminoglykoside und Fluorchinolone wirken konzentrationsabh\u00e4ngig, so dass hier darauf geachtet werden sollte, dass das Verh\u00e4ltnis des Spitzengewebespiegels zur minimalen Hemmkonzentration mit dem Therapieerfolg korreliert. Je gr\u00f6\u00dfer das Verh\u00e4ltnis ist, umso effektiver wirkt das Antibiotikum. Bei \u00df-Lactam-Antibiotika ist es dagegen viel wichtiger, dass der Prozentsatz des Dosierungsintervalls, in dem die Plasmakonzentration \u00fcber der MHK liegt, m\u00f6glichst gro\u00df ist. Bei dieser zeitabh\u00e4ngigen Wirkung sind deshalb die Zeitintervalle zwischen der Antibiotikagabe wichtig und sollten m\u00f6glichst eingehalten werden. Die Dosierungsintervalle werden so gew\u00e4hlt, dass die Gewebespiegel zu 40-60% der Zeit \u00fcber der minimalen Hemmkonzentration liegen.<\/p>\n<h4>Therapeutisches Drug-Monitoring<\/h4>\n<p>Bei Aminoglykosiden und Glykopeptiden wird ein Drug-Monitoring empfohlen, um die individuell optimale Dosierung zu finden. Die therapeutische Breite dieser Substanzen ist relativ schmal, die potentiellen Nebenwirkungen schwer und es besteht eine ausgepr\u00e4gte Konzentrations-Wirkungs-Beziehung. F\u00fcr Aminoglykoside werden bei einer einmaligen Tagesdosis Spitzenspiegel von 15-25 mg\/l und Talspiegel von unter 1 mg\/l angestrebt. Bei den Glykopeptiden ist das Ziel eine dauerhafte Konzentration oberhalb der MHK (ca. 10-20 mg\/l), wobei unbedingt daran gedacht werden sollte, dass ab 15 mg\/l die Nephrotoxizit\u00e4t deutlich zunimmt.<\/p>\n<h4>Elimination<\/h4>\n<p>Die normalerweise angegebenen Dosierungen unterstellen eine normale Leber- und Nierenfunktion. Bei einer Niereninsuffizienz und einer prim\u00e4ren renalen Elimination des Antibiotikums ist es sinnvoll, die Erhaltungsdosis zu halbieren. Bei einer ausgepr\u00e4gten renalen Insuffizienz sollte zus\u00e4tzlich das Dosierungsintervall verdoppelt werden. F\u00fcr viele Medikamente kann die optimale Dosierung unter www.dosing.de berechnet werden. Bei Lebersch\u00e4den sollte auch die hepatotoxische Wirkung der Antibiotika beachtet werden.<\/p>\n<h4>Nebenwirkungen<\/h4>\n<p>Bei fast allen Antibiotika treten in ca. 10% unerw\u00fcnschte Nebenwirkungen auf, die biologisch, toxisch oder allergisch bedingt sind. Im Vordergrund stehen St\u00f6rungen des GI-Traktes mit \u00dcbelkeit, Erbrechen und Durchf\u00e4llen. Daneben treten Hautaffektionen auf wie Exantheme, phototoxische Reaktionen oder Urtikaria oder St\u00f6rungen des ZNS wir Schlafst\u00f6rungen, Kopfschmerzen und Schwindel.<\/p>\n<h4>Resistenz<\/h4>\n<p>Die Antibiotikaresistenz ist abh\u00e4ngig vom Antibiotikum und normalerweise auf wenige Bakterienspezies beschr\u00e4nkt. Sie h\u00e4ngt nicht direkt davon ab, in welcher Dosierung oder \u00fcber welche Dauer ein Antibiotikum gegeben wurde. Allerdings sollte man den Selektionsdruck durch inad\u00e4quate oder zu lange Antibiotikagabe verringern. Manche Antibiotika haben ein relativ geringes Resistenzpotential, andere k\u00f6nnen dagegen bereits bei geringem Einsatz eine Resistenz ausl\u00f6sen. Wenn Antibiotika mit \u00e4hnlichem Wirkungsspektrum verwendet werden, dann sollten diejenigen ausgew\u00e4hlt werden, die ein geringes Resistenzpotential haben. Au\u00dferdem sind einige Antibiotika wie Ceftazidim assoziiert mit einer zunehmenden Pr\u00e4valenz von MRSA.<\/p>\n<h4>Fehler<\/h4>\n<p>Das Versagen einer Antibiose beruht manchmal auf einfachen Fehlern: Es wurde ein Antibiotikum mit zu geringem Blut- oder Gewebespiegel ausgew\u00e4hlt; Fremdk\u00f6rper wurden nicht entfernt oder Abszesse nicht drainiert; die entsprechenden Organe waren nicht ausreichend perfundiert; Interaktionen mit anderen Medikamenten blieben unber\u00fccksichtigt, oder eine Pilzsuperinfektion wurde nicht ad\u00e4quat behandelt.<\/p>\n<h4>Regeln<\/h4>\n<p>Bei den meisten Antibiotika ist eine Monotherapie ausreichend. Optimalerweise sollte das Keimspektrum bekannt sein. Ein Antibiotikum ist kein Antipyretikum, sondern wird nur bei einem bakteriellen Infekt appliziert. Bei unklarem Fieber wird deshalb eine Blutkultur entnommen. Der therapeutische Effekt sollte sp\u00e4testens nach zwei bis vier Tagen evident sein. Die Behandlungsdauer sollte beschr\u00e4nkt werden, um den Selektionsdruck zu vermindern. Drei bis f\u00fcnf Tage nach Entfieberung reichen meistens aus. Allergien m\u00fcssen ber\u00fccksichtigt werden. Viele postoperative Antibiotika werden wahrscheinlich viel zu lange gegeben, besonders nach erfolgreicher Sanierung eines septischen Fokus.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/section>\n<section class='av_toggle_section av-lg0r48r7-46eb28bdae8e36a2628e879813776848'  itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/BlogPosting\" itemprop=\"blogPost\" ><div role=\"tablist\" class=\"single_toggle\" data-tags=\"{Alle} {2} \"  ><p id='toggle-toggle-id-2' data-fake-id='#toggle-id-2' class='toggler  av-title-above '  itemprop=\"headline\"  role='tab' tabindex='0' aria-controls='toggle-id-2' data-slide-speed=\"200\" data-title=\"Substanzen\" data-title-open=\"\" data-aria_collapsed=\"Click to expand: Substanzen\" data-aria_expanded=\"Click to collapse: Substanzen\">Substanzen<span class=\"toggle_icon\"><span class=\"vert_icon\"><\/span><span class=\"hor_icon\"><\/span><\/span><\/p><div id='toggle-id-2' aria-labelledby='toggle-toggle-id-2' role='region' class='toggle_wrap  av-title-above'  ><div class='toggle_content invers-color '  itemprop=\"text\" ><h4>Antibiotikauswahl<\/h4>\n<p>In der Viszeralchirurgie werden regelm\u00e4\u00dfig Antibiotika eingesetzt, mit deren Wirkungen, Nebenwirkungen und Besonderheiten man vertraut sein sollte. Zu den h\u00e4ufigsten geh\u00f6ren: Penicilline, Cephalosporine, Carbapeneme, Fluorchinolone, Glykopeptide, Aminoglykoside, Linezolid, Tigecyclin und Metronidazol.<\/p>\n<h4>Penicilline<\/h4>\n<p>Penicillin G und Oxacillin spielen in der Viszeralchirurgie kaum eine Rolle. Sehr viel wichtiger sind die Aminopenicilline Ampicillin und Amoxicillin. Die antibakterielle Wirkung umfasst ein breites Spektrum grampositiver und \u2013negativer Keime. Da viele, fr\u00fcher sensible Darmkeime mittlerweile \u00df-Lactamasen bilden, wird Ampicillin mit den \u00df-Lactamaseninhibitoren Clavulans\u00e4ure oder Sulbactam kombiniert. Aminopenicilline sind sehr effektiv und f\u00fcr viele akute und chronische Infektionen zugelassen. Ihre h\u00e4ufigste Nebenwirkung ist eine pseudoallergische Hautreaktion, die erst nach einigen Tagen auftritt. Als feste Kombination wird gern Unacid\u00ae 3mal 1,5\/3,0 g i.v. eingesetzt. Ein noch umfassenderes Wirkungsspektrum auf grampositiv und \u2013negative, aerobe und anaerobe Bakterien haben Acylaminopenicilline wie Piperacillin, das auch bei Pseudomonas aeruginosa wirkt. Auch hier werden \u00df-Lactamaseninhibitoren wie Tazobactam zugesetzt. So wird Tazobac\u00ae 3mal 4,5 g i.v. bei starken Infektionen wie bei kotiger Peritonitis, Anastomoseninsuffizienz oder nosokomialen Infektionen eingesetzt.<\/p>\n<h4>Cephalosporine<\/h4>\n<p>Die Cephalosporine werden in f\u00fcnf Gruppen eingeteilt, von denen in der Viszeralchirurgie die Gruppe 2 mit Cefuroxim und die Gruppe 3b mit Ceftazidim (Fortum\u00ae) bedeutend ist. Cefuroxim (3mal 1,5 g) hat einen sehr weiten Einsatzbereich, weil es sehr gut im gramnegativen Bereich wirkt und eine m\u00e4\u00dfig gute Wirksamkeit gegen Staphylokokken zeigt. Ceftazidim wirkt dagegen nur unzureichend gegen Staphylokokken. Insgesamt nehmen die Resistenzen von E. coli auf Ampicillin und Cefuroxim deutlich zu, genauso wie die Extended-Spektrum-Beta-Lactamasen bei allen Cephalosporinen.<\/p>\n<h4>Carbapeneme<\/h4>\n<p>Carbapeneme sind \u00df-Lactam-Antibiotika, die gut vertragen werden. Sie haben ein sehr weites Wirkungsspektrum auf grampositiv und \u2013negative Bakterien sowie Anaerobier. Sie sind zwar bei ESBL-Bildern effektiv, aber nicht bei MRSA. Allerdings bilden mittlerweile einige Bakterien, Carbapenemase und sind somit resistent. Sie werden in zwei Gruppen eingeteilt: Imipenem (Zienam\u00ae) und Meropenem einerseits und Ertapenem (Invanz\u00ae) andererseits. Beide Gruppen werden renal eliminiert, wobei Ertapenem wegen seiner l\u00e4ngeren Halbwertszeit nur einmal t\u00e4glich appliziert werden muss. Alle Carbapeneme haben eine dosisabh\u00e4ngige epileptogene Potenz.<\/p>\n<h4>Fluorchinolone<\/h4>\n<p>Von den vier Gruppen der Fluorchinolone sind hier haupts\u00e4chlich die Gruppen 2-4 interessant. Aus der ersten Gruppe das Ciprofloxacin, aus der zweiten das Levofloxacin (Tavanic\u00ae) und aus der dritten das Moxifloxacin (Avalox\u00ae). \u00a0Fluorchinolone wirken konzentrationsabh\u00e4ngig und haben ein breites Wirkungsspektrum. Allerdings habe sie eine gewisse Schw\u00e4che bei den Staphylokokken. Aufgrund zunehmender Resistenzen bei E. coli und einigen Enterobacteriaceae sollten sie nicht als Monotherapie eingesetzt werden. Die Nebenwirkungen treten mit 5-10% nicht selten auf. Sie betreffen in erster Linie den GI-Trakt, aber \u00fcber Schlafst\u00f6rungen, Benommenheit und Hautreaktionen wird berichtet. Die Resistenzen von E. coli (25%), P. aeruginosa (20%), S. aureus (30%) haben deutlich zugenommen.<\/p>\n<h4>Glykopeptide<\/h4>\n<p>Von den Glykopeptiden Vancomycin und Teicoplanin wird ersteres sicherlich h\u00e4ufig eingesetzt. Sie wirken nur bei grampositiven Bakterien (MRSA, Clostridien, Enterokokken und E. faecium). Aufgrund ihres konzentrationsabh\u00e4ngigen relativ hohen nephro- und ototoxischen Potentials und ihrer zeitabh\u00e4ngigen Wirkung ist ein Drug-Monitoring unerl\u00e4sslich, um einen ausreichend hohen Plasmaspiegel von 10-15 mg\/l zu erreichen. Vancomycin wird oral bei einer Clostridien-Infektion gegeben, wobei es so gut wie nicht resorbiert wird. Parenteral solle es sehr langsam, mindestens \u00fcber f\u00fcnf Minuten gegeben werden, weil sich sonst eine schwere \u00dcberempfindlichkeitsreaktion ausbilden kann, das sogenannte \u201ered-man-Syndrom\u201c. Vancomycin-resistente MRSA-St\u00e4mme sind noch selten, aber die Hemmkonzentrationen steigen bereits deutlich an. Bei einer erforderlichen Hemmkonzentration von \u00fcber 2 mg\/l muss mit einer hohen Versagerquote gerechnet werden, so dass in diesen Situationen auf Alternativen zur\u00fcckgegriffen werden.<\/p>\n<h4>Aminoglykoside<\/h4>\n<p>Die Aminoglykoside haben heute an Bedeutung verloren. Sie wirken bevorzugt im gramnegativen Bereich und werden h\u00e4ufig in Kombination mit \u00df-Lactam-Antibiotika appliziert. Sie wirken rasch und konzentrationsabh\u00e4ngig, so dass der Gewebespiegel 5mal h\u00f6her sein sollte als die minimale Hemmkonzentration. Obgleich sie eine relative kurze Halbwertszeit haben, wird eine einmalige Gabe der gesamten Tagesdosis (Kurzinfusion \u00fcber 15-30 Min.) gegen\u00fcber einer dreimaligen Gabe pr\u00e4feriert, weil der gesamte nephro- und ototoxische Effekt geringer zu sein scheint. Beim fast immer erforderlichen Drug-Monitoring sollte der Talspiegel unter 1 mg\/l und der Spitzenspiegel bei 15-20 mg\/l liegen. Aufgrund der Nebenwirkungen wird die Therapie meistens auf 3-5 Tage beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<h4>Metronidazol<\/h4>\n<p>Metronidazol wirkt konzentrationsabh\u00e4ngig bakterizid auf anaerobe grampositive und \u2013negative Erreger. Es wird selten als Monotherapie eingesetzt, wie bei einer Clostridieninfektion. Zentrale und periphere Neuropathien sind gef\u00fcrchtete Nebenwirkungen.<\/p>\n<h4>Proteinsynthesehemmer<\/h4>\n<p>Linezolid (Zyvoxid\u00ae) und Tigecyclin (Tygacil\u00ae) hemmen beide die bakterielle Proteinsynthese. Linezolid (Zyvoxid\u00ae) wirkt auf grampositive Erreger einschlie\u00dflich MRSA und Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE). Eine Thrombozytopenie ist eine bekannte Nebenwirkung. Tigecyclin (Zyvoxid\u00ae) wirkt zus\u00e4tzlich auch auf gramnegative Erreger. Die Therapiekosten sind bei beiden hoch und Resistenzen sind bei beiden Stoffen noch relativ selten.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/section>\n<section class='av_toggle_section av-lg0r4yv6-acea86f8d7b4972194d06d11beee8b48'  itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/BlogPosting\" itemprop=\"blogPost\" ><div role=\"tablist\" class=\"single_toggle\" data-tags=\"{Alle} {3} \"  ><p id='toggle-toggle-id-3' data-fake-id='#toggle-id-3' class='toggler  av-title-above '  itemprop=\"headline\"  role='tab' tabindex='0' aria-controls='toggle-id-3' data-slide-speed=\"200\" data-title=\"Prophylaxe\" data-title-open=\"\" data-aria_collapsed=\"Click to expand: Prophylaxe\" data-aria_expanded=\"Click to collapse: Prophylaxe\">Prophylaxe<span class=\"toggle_icon\"><span class=\"vert_icon\"><\/span><span class=\"hor_icon\"><\/span><\/span><\/p><div id='toggle-id-3' aria-labelledby='toggle-toggle-id-3' role='region' class='toggle_wrap  av-title-above'  ><div class='toggle_content invers-color '  itemprop=\"text\" ><h4>Antibiotikaprophylaxe<\/h4>\n<p>Bei vielen g\u00e4ngigen viszeralchirurgischen Eingriffen wird heute eine Antibiotikaprophylaxe empfohlen, obgleich sie nicht bei allen Indikationen hinreichend gesichert ist. Bei Eingriffen mit sehr geringer Infektionsgefahr (Schilddr\u00fcsenresektion bei Struma nodosa oder Leistenhernienreparation nach Shouldice) ist der Nutzen extrem gering, so dass sie hier ernsthaft hinterfragt werden sollte. Zur Prophylaxe wird das Antibiotikum in der Regel nur einmalig mit der Narkoseeinleitung appliziert, so dass zum Zeitpunkt des Schnittes ein ausreichender Gewebespiegel vorliegt. Am besten wird es 30 Minuten vor dem Operationsbeginn infundiert. Wird es erst mit dem Hautschnitt gegeben, b\u00fc\u00dft es einen gro\u00dfen Teil seiner Effektivit\u00e4t ein. Bei l\u00e4ngeren Operationen sollte nach drei Stunden eine zweite Dosis erwogen werden. Die Wahl des Antibiotikums richtet sich nach dem Eingriff. Bew\u00e4hrt haben sich Cephalosporine, die bei Eingriffen am unteren Gastrointestinaltrakt mit Metronidazol kombiniert werden. Eine Fortsetzung der postoperativen Antibiose ist bei elektiven Eingriffen nicht erforderlich. Lediglich bei starker intraoperativer Kontamination oder Abszessen erscheint sie sinnvoll. Bei Allergien sind ad\u00e4quate Alternativen einzusetzen. Bei einem sehr hohen Infektionsrisiko sollte gleich potentere Antibiotika eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Bei einigen Operationen ist eine Antibiotikaprophylaxe erforderlich. Das Antibiotikum wird unbedingt bei Narkoseeinleitung appliziert (ca. 30-45 Min. vor der Operation), so dass mit Operationsbeginn ein ausreichender Gewebespiegel vorhanden ist.<\/p>\n<table class=\"bas\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>Eingriffe an \u201enicht kontaminierten\u201c Organen wie Schilddr\u00fcse, Hernien (ohne Netzeinlage), Leistenhernien, Nebenniere, Weichteile und Haut. Routine-Mediastinoskopie. AV-Fistel-Anlage, Thrombektomie der oberen Extremit\u00e4t.<\/td>\n<td>Keine Antibiotikaprophylaxe<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Viszeralchirurgie: Eingriffe\u00a0an \u201epotentiell kontaminierten\u201c Organen wie der Gallenblase, Milz, Fundoplikatio.\u00a0Implantation von Fremdmaterial ( gro\u00dfe Netze).<br \/>\nGef\u00e4\u00dfchirurgie: Alle Gef\u00e4\u00dfprothesen, Carotis-Rekonstruktion,\u00a0Gef\u00e4\u00dfrekonstruktionen im Stadium IV, \u00a0bei immunsupprimierten Patienten, insulinpflichtiger Diabetes mell., dialysepflichtige Niereninsuffizienz<\/td>\n<td>1,5 g Cefuroxim i. v., evtl.\u00a03 Stunden sp\u00e4ter.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Eingriffe an \u201eregelhaft kontaminierten\u201c Organen wie \u00d6sophagus, Magen, Gallenwege, Pankreas.D\u00fcnn- und Dickdarm, Rektum. Proktologie: Verschiebelappenplastik bei Fisteln oder Sinus pilonidalis, Gracilisplastik<\/td>\n<td>1,5 g Cefuroxim i. v. und 500 mg Metronidazol i. v. f\u00fcr mindestens 24 Stunden, d.h. bei Narkoseinleitung, evtl.\u00a03 Stunden sp\u00e4ter. Bei gr\u00f6\u00dferer Kontamination weitere Gaben bis zum n\u00e4chsten Morgen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h4>Allergien<\/h4>\n<p>Bei Penicillinallergien wird statt Cefuroxim (mit oder ohne Metronidazol) Ciprobay 400 mg gegeben. Bei sehr hohem Risiko bereits mit Tazobac beginnen.<\/p>\n<h4>Endokarditisprophylaxe<\/h4>\n<p>Wenn das Risiko einer Bakteri\u00e4mie besteht, dann ist eine Endokarditisprophylaxe bei allen Patienten einzuleiten, die ein sehr hohes oder hohes Risiko besitzen, an einer Endokarditis zu erkranken. Fr\u00fcher wurde eine Prophylaxe bei fast jeder Gewebemanipulation empfohlen, bei der eine Gefahr der Bakteri\u00e4mie vermutet wird. Nachdem man aber erkannte, dass selbst beim Z\u00e4hneputzen eine hohe Gefahr besteht, wurden die Empfehlungen dahingehend modifiziert, dass eine \u00fcbliche Antibiotikaprophylaxe ausreichend ist.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/section>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[34],"tags":[],"class_list":["post-3812","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-chirurgie"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Antibiotika - Berliner Gelassenheit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/archive\/3812\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Antibiotika - Berliner Gelassenheit\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"http:\/\/berlin-boehm.de\/Kanty\/archive\/3812\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Berliner Gelassenheit\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2023-04-03T11:33:22+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2023-04-03T13:47:46+00:00\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Bartholom\u00e4us B\u00f6hm\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Verfasst von\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Bartholom\u00e4us B\u00f6hm\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"12\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/3812#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/3812\"},\"author\":{\"name\":\"Bartholom\u00e4us B\u00f6hm\",\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/e7bb56a842d02bb40f4663709bf5242d\"},\"headline\":\"Antibiotika\",\"datePublished\":\"2023-04-03T11:33:22+00:00\",\"dateModified\":\"2023-04-03T13:47:46+00:00\",\"mainEntityOfPage\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/3812\"},\"wordCount\":2546,\"commentCount\":0,\"publisher\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/e7bb56a842d02bb40f4663709bf5242d\"},\"articleSection\":[\"Chirurgie\"],\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"CommentAction\",\"name\":\"Comment\",\"target\":[\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/3812#respond\"]}]},{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/3812\",\"url\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/3812\",\"name\":\"Antibiotika - Berliner Gelassenheit\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#website\"},\"datePublished\":\"2023-04-03T11:33:22+00:00\",\"dateModified\":\"2023-04-03T13:47:46+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/3812#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/3812\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/archive\\\/3812#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Antibiotika\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#website\",\"url\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/\",\"name\":\"Berliner Gelassenheit\",\"description\":\"Heiterkeit und Widerspr\u00fcche\",\"publisher\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/e7bb56a842d02bb40f4663709bf5242d\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":[\"Person\",\"Organization\"],\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/e7bb56a842d02bb40f4663709bf5242d\",\"name\":\"Bartholom\u00e4us B\u00f6hm\",\"logo\":{\"@id\":\"http:\\\/\\\/berlin-boehm.de\\\/Kanty\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/image\\\/\"},\"description\":\"Prof. Dr. med. 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