Schwere Blutung
Bei schweren Blutungen oder der Gefahr der schweren Blutung sollten Chirurgen geeignete Maßnahmen ergreifen, das Blutungsgeschehen zu kontrollieren und ein Rückfall zu vermeiden. Dabei sollte sich der Operateur primär auf eine intakte Gerinnung konzentrieren.
Intakte Gerinnung
Eine Hypothermie sollte unbedingt vermieden werden. Bereits eine Temperatur unter 35 °C ist gefährlich, denn die plasmatische Gerinnungsaktivität sinkt um 10 Prozent pro 1°C. Bei einer Temperatur unter 34°C tritt eine Thrombozytopenie ein, weil sich die Thrombozyten in der Milz sammeln.
Bei einem gestörten Metabolismus tritt rasch eine Azidose auf, die ebenfalls die Gerinnung verschlechtert, weil die Proteasen ihr Aktivitätsoptimum im alkalischen Bereich aufweisen. Deshalb sollte eine Azidose gemieden oder rasch ausgeglichen werden.
Auch eine Anämie verlängert nachweislich die Blutungszeit. In kritischen Situationen ist ein Hb von 9 g/dl sicherlich ein gutter Triggerpunkt.
Übersteigerte Fibrinolyse
An eine gesteigerte Fibrinolyse sollte ebenfalls gedacht werden. Zur Behandlung bietet sich hier die Tranexamsäure an, die das Plasminogen blockiert. Der Wirkunsgeintritt ist verzögert, weil es nicht auf aktiviertes Plasmin wirkt.
Fibrinogen und Thrombozyten
Da Fibrin in der akuten Situation rasch verbraucht werden kann, sollte es gemessen und substituiert werden, wenn es unter 1,5 g/l beträgt. Die Thrombozyten sollten ebenfalls kontrolliert und im Zweifel substituiert werden, wenn weniger als 50.000 funktiontüchtiger Thrombozyten nachweisbar sind.
EK und FFP
Bei schweren akuten Blutungen werden von einigen Chirurgen ein festes Verhältnis von Ek- und FFP-Gaben empfohlen. Einige geben es im Verhältnis von 1:1-1:0,5. Die feste Gabe von FFP soll zu weniger schweren Blutungen führen.