Gallenblasenkarzinom

Das Gallenblasenkarzinom ist selten und wird häufig zufällig nach einer Cholezystektomie oder in einem sehr fortgeschrittenen Zustand diagnostiziert.

Epidemiologie

Besonders männliche Patienten mit großen Gallensteinen (>3 cm) haben ein höheres Risiko (10fach), ein Gallenblasenkarzinom zu entwickeln.

Klinik

Die Beschwerden sind in einem frühen Tumorstadium unspezifisch und vielfach von einem gleichzeitigen Steinleiden bestimmt. Im fortgeschrittenen Stadium machen die Tumoren durch Schmerzen oder Druckgefühle im rechten Oberbauch oder einem beginnenden Ikterus auf sich aufmerksam. Manchmal ist bei schlanken Patienten auch eine Resistenz palpabel.

Diagnostik

Die Sonographie äußert bei diesen Tumoren bereits den Verdacht. Das gesamte Ausmaß der Tumorausdehnung wird dann durch weitere Bildgebung genauer spezifiziert.

Ausbreitung

Beim Gallenblasenkarzinom wird zunächst der Lymphknoten im Bereich des Ductus cysticus befallen, danach die Lymphknoten um den Choledochus. Sind Lymphknotenmetastasen in Richtung auf den Leberhilus nachweisbar, dann kann davon ausgegangen werden, dass der normale Lymphabfluss bereits durch Lymphknotenmetastasen blockiert ist.

TNM der Gallenblase

Das T-Stadium entspricht der Tiefenausdehnung des Tumors.

T1-Stadium Tumor infiltriert Mukosa (T1a) oder Muskulatur (T1b)
T2-Stadium Tumor infiltriert perimuskuläres Bindegewebe
T3-Stadium Tumor infiltriert über Serosa, ein Organ und/oder Leber
T4-Stadium Tumor mit Ausbreitung in V. porta, A. hepatica oder mehr als 2 Organe

Das N-Stadium entspricht der Ausbreitung entlang der Lymphknoten.

N0-Stadium Keine Lymphknotenmetastasen
N1-Stadium Regionäre Lymphknotenmetastasen

Das M-Stadium entspricht der Fernmetastasierung.

M0-Stadium Keine Fernmetastasen
M1-Stadium Fernmetastasen

Spezielle Gegebenheiten werden in der TNM-Formel durch Suffixe angegeben:
c – Klinisches Stadium
p – histologisch gesichertes Stadium
y – Stadium während oder nach onkologischer Vorbehandlung
r  – Stadium eines Rezidivtumors
m – multifokale Läsionen

Operationsindikation

Bei jedem Gallenblasenkarzinom besteht eine Indikation zur Überprüfung der Resektabilität, weil es keine andere kurative Therapie gibt. Beim nicht resektablen fortgeschrittenen Karzinom ist eine geeignete palliative Therapie einzuleiten.

Operation

Beim operablen Gallenblasenkarzinom wird die sogenannte radikale Cholezystektomie empfohlen. Es handelt sich dabei um eine Cholezystektomie mit einem drei bis vier Zentimeter großen Leberanteil des Gallenblasenbettes. Außerdem werden die Lymphknoten im Lig. hepatoduodenale entfernt. Bei ausgedehnter Lymphknotenmetastasierung sollte allerdings von einer Ausdehnung der Resektion Abstand genommen werden, weil die Ergebnisse selbst nach radikalen Eingriffen sehr schlecht sind. Das Gallenblasenkarzinom ist häufig sehr weit fortgeschritten, so dass eine Cholezystektomie nur vorgenommen wird, wenn die Gallenblase leicht entfernbar ist.

Intraoperativer Verdacht

Bei einigen Patienten, die zur routinemäßigen Cholezystektomie anstehen, wird intraoperativ der Verdacht auf ein Gallenblasenkarzinom geäußert. Wird der Verdacht in einer Schnellschnittuntersuchung bestätigt und liegt lediglich ein T1-Karzinom vor, dann werden nur noch die Lymphknoten entfernt. Bei einem T2-Stadium wird die zusätzliche Leberresektion im Gallenblasenbett mit systematischer Lymphadenektomie empfohlen.

Postoperative Bestätigung

Wird in der postoperativen Histologie zufällig ein Gallenblasenkarzinom entdeckt, wird in der gleichen Weise vorgegangen. Bei einem T1-Stadium ist die alleinige Cholezystektomie ausreichend.

Laparoskopische Cholezystektomie

Wird bei einer unkomplizierten Operation ohne Eröffnung der Gallenblase bei der postoperativen Histologie ein T1-Stadium diagnostiziert, dann ist keine weitere Therapie erforderlich. Bei allen anderen Stadien wird wie oben beschrieben nachreseziert. Zusätzlich werden alle Trokarinzisionen reseziert.

Adjuvante Therapie

In jüngster Zeit weisen einige randomisierte Studien auf einen Benefit der Chemotherapie nach kurativer Resektion von T2-/T3-Tumoren hin. T1- und T4-Tumore scheinen nicht zu profitieren.

Palliative Situation

Ist es aufgrund des tumorösen Leidens zu einem Ikterus gekommen und erscheint dieser nicht kurativ behandelbar, dann sollten die Gallengänge abgeleitet werden, weil nicht drainierte Segmente nach einigen Wochen atrophieren. Während sich früher zur Ableitung die operativen Verfahren anboten, sind heute die interventionellen Verfahren zu empfehlen, weil sie bei geringer Morbidität zu vergleichbaren Ergebnissen führen. Inwieweit eine spezifische onkologische Therapie hilfreich ist, ist gegenwärtig ungeklärt