Fasziennaht

Reißfestigkeit

Fasziennähte sind extrem wichtig, weil die Faszien zu den tragenden Strukturen des Organismus gehören. Faszien sind sehr kollagenreich und zugleich relativ schlecht durchblutet. Im Vergleich zur Haut und dem Darm benötigt die bradytrophe Faszie deshalb eine deutlich längere Zeit, um 80 % ihrer Haltekraft wieder zu erlangen. Die Zunahme der Reißfestigkeit steigt in den ersten drei bis vier Wochen zwar steil an, aber sie verlangsamt sich dann zunehmend, so dass der gesamte Umbau bis zur endgültigen Heilung viele Monate dauert. Beim Gesunden und unter normalen Bedingungen sind die ersten vier Wochen besonders entscheidend.

Nahtmaterial

Faszien sind hohen Zugkräften ausgesetzt. Für sie sind deshalb Nahtmaterialien erforderlich, die über mehrere Wochen eine gute Haltekraft aufweisen. Neben dem nicht-resorbierbaren Material kommen dazu auch langsam resorbierende Nähte in Betracht. Leider treten bei den nicht-resorbierbaren Nahtmaterialien nicht selten unangenehme Fadenfisteln auf. Sie wären ansonsten optimal zur Fasziennaht. Die meisten Chirurgen verwenden zur Fasziennaht langfristig resorbierbares Nahtmaterial der Stärke 2-0 bis 1.

Fortlaufende Naht

Neben den Einzelnähten werden fortlaufende monofile Nähte verwendet, weil sie eine bessere Verteilung der Zug- und Druckkräfte erlauben und damit die einzelnen Druckzonen auf das Gewebe verringern. Für jede fortlaufende Naht gilt, dass der erste und der letzte Stich durch das gesunde Gewebe gestochen werden soll. Es sollte möglichst nur ein Faden verwendet werden.

Einzelnaht

Werden Einzelnähte zum Faszienverschluss verwendet, dann reißen sie bei hoher Beanspruchung aus, wenn nicht ausreichend viel Gewebe gefasst wurde. Indem U-Nähte gelegt werden, wird automatisch mehr Gewebe gefasst und das Ausreißen erschwert. In jedem Fall ist es wichtig, eine ausreichende Menge an Gewebe mit jeder Naht zu fassen. Allerdings sollte die Wundspannung nicht zu stark zunehmen, denn damit wird eine spätere Dehiszenz wahrscheinlicher.

Fasziendoppelung

Früher wurde bei problematischen Faszienverhältnissen eine Fasziendoppelung als unabdingbar angesehen, um einen Narbenbruch zu vermeiden oder zu korrigieren. Dazu wurden vertikale U-Nähte angelegt. Leider sind Rezidive mit dieser Technik mindestens genauso häufig wie mit einfachen Nähten.