Infektion
Zur Einteilung postoperativer Wundinfektionen haben sich die Definitionen des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) bewährt.
Oberflächliche Infektion
Eine oberflächliche Infektion liegt vor, wenn sie innerhalb von 30 Tagen nach der Operation auftritt, nur Haut- oder subkutanes Gewebe einbezieht und zusätzlich eine der folgenden Bedingungen erfüllt: Eitrige Sekretion aus der Inzision, kultureller Nachweis eines Mikroorganismus oder Eröffnen der Wunde bei einer lokalisierten schmerzhaften Schwellung mit Rötung und Überwärmung.
Tiefe Infektion
Eine tiefe Infektion liegt vor, wenn sie innerhalb von 30 Tagen nach der Operation bzw. innerhalb von einem Jahr nach Implantation eines Fremdkörpers auftritt, wenn die Infektion die Faszienschicht und das Muskelgewebe erfasst und wenn zusätzlich eine der folgenden Kriterien erfüllt ist: eitrige Sekretion aus der Faszienschicht oder dem Muskelgewebe, Eröffnen der Wunde (spontan oder iatrogen) bei Fieber und Schmerzen oder einem Abszess.
Infektion
Eine manifeste Infektion wird in erster Linie klinisch und nicht durch Laborwerte oder bildgebende Verfahren diagnostiziert. Eine diskrete Rötung und geringe Schwellung sowie lokale Schmerzen treten in unterschiedlichem Ausmaß bei jeder Wunde auf und erst der weitere Verlauf kann auf eine sich anbahnende Infektion hinweisen. Gehen Schwellung, Rötung und Schmerzen adäquat zurück, dann liegt keine Infektion vor. Ändert sich die Wunde dagegen nicht oder persistiert das intrakutane Ödem, dann sollte eine Infektion vermutet werden. Der täglichen klinischen Beurteilung durch denselben Arzt kommt die entscheidende Bedeutung zu, wenn eine sich anbahnende Infektion vermutet wird. Durchsichtige Verbände erleichtern diesen Vorgang erheblich. Intraabdominelle oder sonstige tiefe Infektionen sind schwieriger zu diagnostizieren und sollten bei allen ungewöhnlichen Verläufen vermutet und ausgeschlossen werden. Ein außergewöhnlich starker Schmerz in der Wunde, auch ohne sichtbare Zeichen der Infektion, ist ein Alarmsymptom. Eine Erhöhung der Temperatur nach der Operation ist ebenfalls physiologisch. Sie sollte sich aber am 2. Tag wieder normalisiert haben. Eine Leukozytose oder CRP-Erhöhung ist ein indirekter Hinweis auf eine Infektion und müssen gemeinsam mit den lokalen Gegebenheiten interpretiert werden. Je früher die richtige Diagnose gestellt und eine effektive Therapie eingeleitet werden, umso günstiger ist der weitere Heilungsverlauf.
Abszess und Phlegmone
Klinisch imponiert die Infektion als Abszess oder Phlegmone. Abszesse bilden sich aus, wenn der entzündlichen Ausbreitung anatomische Barrieren gegenüberstehen, so dass sich durch die Gewebeeinschmelzung rasch eine Abszessmembran bilden kann. Phlegmone breiten sich dagegen diffus im Gewebe aus. Bevor eine antibiotische Therapie eingeleitet wird, sollte möglichst ein Abstrich entnommen werden, um nach mikrobiologischer Untersuchung das Keimspektrum zu erfahren und mit einem Antibiogramm die optimale Therapie zu finden. Zu beachten ist, dass der Nachweis von pathogenen Keimen nicht mit einer Infektion gleichzusetzen ist. Eine Infektion ist aber auch nicht ausgeschlossen, wenn kein Keimnachweis gelingt. Die Infektion bleibt primär eine klinische Diagnose und verweist auf die Reaktion des Organismus auf eine Keimbesiedlung.
Infektionsbehandlung
Die Erstmaßnahmen der Infektionsbehandlung umfassen eine sofortige Eröffnung oder Beseitigung des Infektionsherdes mit sorgfältigem Débridement, eine lokale antiseptische Behandlung und eventuell auch eine systemische Antibiose. Da der chirurgische Eingriff der entscheidende Schritt in der Behandlung des Infektes ist, sollte er so schnell wie möglich und unter optimalen Bedingungen vorgenommen werden. Eine oberflächliche, revidierte Wunde sollte zunächst offen behandelt werden. Lediglich bei freiliegenden Knochen oder Implantaten wird eine Deckung mit einer Saug-Spül-Vorrichtung angestrebt. Eine lokale Behandlung mit einem antiseptischen Verband oder eine Spüllösung kann für die ersten Tage hilfreich sein. Nur wenn eine systemische Ausbreitung der Bakterien befürchtet wird, ist eine Antibiose sinnvoll, die sich nach einem Antibiogramm richten sollte.
Wundhämatom
Tritt postoperativ ein ausgeprägtes Wundhämatom auf, dann sollte es nicht auf der Station eröffnet und abgelassen werden, sondern unter aseptischen operativen Bedingungen. Eine Öffnung der Wunde, ausgiebige Spülung, subtile Blutstillung und Drainageeinlage komplettieren die Behandlung.