Magensonde

Indikationen

Eine Magensonde wird in der Chirurgie gelegt, um Luft oder Flüssigkeiten aus dem Magen abzuleiten. Solche Ansammlungen sind die Folge eines mechanischen oder paralytischen Ileus oder einer Magenatonie. In solchen Fällen kann die Magensonde lebensrettend sein, weil sie den überfüllten Magen bzw. oberen Gastrointestinaltrakt entlastet und einer Aspiration in das Tracheobronchialsystem vorbeugt. Aus der Qualität und Menge der abgeleiteten Flüssigkeit kann der Erfahrene auf die Höhe und das Ausmaß eines Darmverschlusses schließen. Atonischer, relativ klarer Magensaft unterscheidet sich sehr deutlich von galligem Reflux, Dünndarminhalt oder Koterbrechen (Miserere).

Folgestörungen

Die Magensonde ist zwar ein wertvolles, aber kein „harmloses“ Instrument. Bereits beim Legen einer Magensonde kann der Nasen-Rachenraum und die Speiseröhre verletzt werden. Besonders bei hochbetagten Patienten, Stenosen und vulnerablem Gewebe ist Vorsicht geboten. Dünne Sonden sind zwar angenehmer für den Patienten, sie sind aber schwieriger zu legen als dicke. Eine korrekt platzierte Sonde führt nachweislich zu einem unerwünschten gastroösophagealen Reflux, so dass einige Patienten tracheal aspirieren. Außerdem lassen sich an der Sondenspitze und im Bereich der Kardia Druckläsionen nachweisen, die gelegentlich bluten.

Prophylaktische Magensonde

Da die normale Darmtätigkeit nach einer Laparotomie erst verzögert eintritt und eine Motilitätsstörung des oberen Gastrointestinaltraktes droht, wird seit über 50 Jahren eine intraoperativ gelegte Magensonde postoperativ belassen und der Magensaft darüber abgeleitet. Diese für den Patienten unangenehme prophylaktische Maßnahme soll die seltene, aber lebensbedrohliche Aspiration verhindern und eine abdominelle Distension vermeiden. Da eine prophylaktische Magensonde die Komplikationsrate aber nachweislich nicht vermindert, sondern eher mehr pulmonale Komplikationen hervorruft und zugleich die Magen-Darm-Passage verzögert, sollte auf sie verzichtet werden. Bei fast allen elektiven Eingriffen kann die Magensonde am Ende der Operation entfernt werden. Nur bei einigen besonderen Eingriffen scheint sie hilfreich zu sein. Allerdings ist im postoperativen Verlauf sorgfältig darauf zu achten, ob der Patient eine „Oberbauchatonie“ mit wiederholtem Aufstoßen oder Sodbrennen entwickelt. In diesen Fällen sollte sofort transnasal eine Magensonde gelegt werden, damit der Patient nicht erbricht.

Ösophagus-/Magenresektion

Nach einer Ösophagusresektion mit einem Magenhochzug wird regelhaft eine Magensonde eingelegt, unabhängig davon, ob eine Pyloroplastik angelegt wurde oder nicht. Die Magensonde wird in der Regel für einige Tage belassen, weil sich ohne Magensonde die Anzahl der trachealen Aspirationen erhöht. Nach partieller Magenresektion oder Gastrektomie ist eine Magensonde im Prinzip nicht erforderlich. Wenn allerdings nach einer partiellen Magenresektion eine Anastomosenstenose befürchtet wird, sollte eine Sonde eingelegt werden, um den Magen zu entlasten.

Hepatobiliäre Resektion

Eine Magensonde ist auch nach Leberresektionen nicht erforderlich. Nach Pankreaskopfresektionen werden dagegen Magenentleerungsstörungen von vielen Patienten beklagt, so dass einige Chirurgen die Magensonde solange belassen, bis sie weniger als 300 ml fördert. Andere warten auf die Atonie und legen dann erst eine Magensonde ein.

Kolorektale Resektionen

Es ist hinreichend belegt, dass eine Magensonde nach elektiven Resektionen nicht erforderlich ist. Nach ausgedehnten Operationen am Colon transversum mit wiederholtem kräftigen Zug am Magen tritt allerdings häufiger eine Magenatonie auf, so dass postoperativ eine Magensonde eingelegt werden sollte, wenn der Patient über Völlegefühl klagt. Diese kann nach wenigen Tagen wieder entfernt werden.